Kriegerdenkmal Forstenried

Kriegerdenkmal Forstenried

Text und Recherche: Karin Pohl; Mitwirkung: Ernst Ziegler
Zuletzt bearbeitet 21. Oktober 2026
Kriegerdenkmal Forstenried.
Kriegerdenkmal Forstenried.
Foto Ernst Ziegler 2026
TypKriegerdenkmal
StandortForstenrieder Allee 184; München, Forstenried
InitiatorVerein „Die Heimgekehrten München-Forstenried e.V.“, gegr. am 1. März 1919
InstallationInstallation des Denkmals 1922 durch Steinmetzbetrieb Richard Gschwender, Fürstenrieder Straße 273. Schöpfer der Soldatenskulptur unbekannt
FinanzierungSpenden nach Sammelaktionen des Vereins „Die Heimgekehrten München-Forstenried e.V.“
Einweihung11. Juni 1922 (feierliche Enthüllung)
Erweiterung16. September 1951 (feierliche Einweihung)
MaterialDenkmal aus fränkischem Muschelkalk
StatusBaudenkmal D-1-62-000-1736
ZuständigkeitLH München, Baureferat - Gartenbau GS Stadtbildpflege
Sanierung2012; Inschriften erneuert 2022

Grundlegendes

Das Kriegerdenkmal im Münchner Stadtteil Forstenried ist ein mehrteiliges Denkmal, das 1922 für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgestellt und 1951 um Gefallene, Vermisste und Luftkriegsopfer des Zweiten Weltkriegs ergänzt wurde. Das Kriegerdenkmal Forstenried ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Die Zuständigkeit für dessen Pflege und Unterhalt liegt beim Baureferat der Landeshauptstadt München. Nachdem am Denkmal im Jahr 2021 die Namen zweier Kriegsverbrecher – Josef und Ludwig Kübler – entdeckt wurden, einigten sich Vertreter*innen der LH München und lokale Akteur*innen auf einen nachhaltigen Umgang mit den problematischen Namen am Denkmal: Durch deren sichtbare Streichung wird auf die Tilgung verzichtet und gleichzeitig eine deutliche Distanzierung gewährleistet.

Lage des Denkmals

Das Kriegerdenkmal steht am Platz vor dem Haus Forstenrieder Allee 184, nahe der verkehrsreichen Kreuzung von Herterich-/Liesl-Karlstadt-Straße und Forstenrieder Allee. Die Denkmalrückseite zeigt zum Platz, die Frontseite zur Straße.

Beschreibung und Interpretation des Denkmals

Das aus fränkischem Muschelkalk gefertigte Denkmal besteht aus drei nebeneinander angeordneten Elementen: In der Mitte das 1922 für Gefallene des Ersten Weltkriegs installierte Denkmal, das von einer plastischen Figurengruppe bekrönt wird. Links und rechts des ursprünglichen Denkmals wurden 1951 zwei querrechteckige Steinstelen mit den Namen von Gefallenen, Luftkriegsopfern und Vermissten des Zweiten Weltkriegs installiert. Die Denkmalelemente stehen erhöht auf einem nicht zum Denkmal gehörenden steinernen Sockelfundament, auf das Blumenschmuck und zum Volkstrauertag Kränze gestellt werden. Der Bereich vor dem Denkmal ist mit Steinplatten ausgelegt; das Denkmal von Bäumen umgeben.

Das Kriegerdenkmal Forstenried ist ein berührendes Monument des Verlusts und der Trauer um namentlich genannte Gestorbene, es birgt aber auch – wie das Beispiel der beiden darauf genannten Kriegsverbrecher zeigt – Abgründe. Es ist ein spannendes Zeugnis der Ortsgeschichte, das zur Diskussion einlädt und wichtige Fragen aufwirft, die über den lokalen Bezug hinausgehen.

Beschreibung und einordnende Interpretation des Denkmals von 1922

Der älteste Teil des Denkmals wurde am 11. Juni 1922 eingeweiht. Das Denkmal besteht aus einem mehrteiligen Denkmalssockel mit den Gefallenennamen und einer vollplastischen Skulptur. Von der unteren Sockelkante gemessen, ist das Denkmal einschließlich der Skulptur rund drei Meter hoch.

Kriegerdenkmal um 1925 mit Einfriedung
Kriegerdenkmal um 1925 mit Einfriedung
Historischer Verein Forstenried e.V.
Die Aufnahme aus dem Jahr 2023 zeigt den ursprünglichen Teil des Kriegerdenkmals Forstenried, errichtet 1922.
Die Aufnahme aus dem Jahr 2023 zeigt den ursprünglichen Teil des Kriegerdenkmals Forstenried, errichtet 1922.
Foto: Karin Pohl, 2023
Denkmalsrückseite schräg
Denkmalsrückseite schräg
Foto: Karin Pohl, 2023
Ausschnitt: Figurengruppe
Ausschnitt: Figurengruppe
Foto: Karin Pohl, 2023
Ausschnitt: Figurengruppe Rückseite, schräg
Ausschnitt: Figurengruppe Rückseite, schräg
Foto: Karin Pohl, 2023

Die das Denkmal abschließende Figurengruppe ist 95 cm hoch und besteht aus zwei Soldaten. Die linke Figur stellt einen schwer verletzten, vermutlich sterbenden Soldaten dar. Er liegt am Boden, den Tornister (Militärrucksack) noch am Rücken, den Kopf nach hinten geneigt, der schützende Stahlhelm wurde ihm abgenommen und neben seinem Kopf abgelegt. Die rechte Soldatenfigur, möglicherweise ein Sanitäter, wirkt unversehrt. Sie kniet und ist dem sterbenden Soldaten zugewandt, hält dessen Hand und scheint gleichzeitig die Hände zum Gebet zu falten.

Die dargestellte Szene eines Soldaten, der seine Pflicht für das Vaterland erfüllt hat und stirbt, ist für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein typisches Motiv, das allein oder in Kombination mit einem Begleiter, der dem Sterbenden beisteht, bei etlichen Kriegerdenkmälern auftaucht. Das idealisierte Bild vom abgekämpft sterbenden Helden steht im Kontrast zur grausigen Realität des massenhaften, brutalen, qualvollen und meist einsamen Soldatentods auf dem Schlachtfeld. Diese Art der Darstellung verschleierte und tabuisierte die wahren Umstände des Krieges – nicht zuletzt, so schreiben Göttler und Tworek, weil ein Abbild der brutalen Realität den trauernden Angehörigen nicht zugemutet werden sollte. Geschönte Szenen wie diese setzten sich für Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkriegs durch: „Das Heldenmotiv entwickelte sich zum Mittel der Bewältigung eines sinnlosen Krieges, der von den politisch Mächtigen fahrlässig angezettelt worden war.“

Die Skulptur des Forstenrieder Kriegerdenkmals steht auf einem treppenartigen Sockel aus zwei Stufen, darunter folgt die in Majuskeln (Großbuchstaben) verfasste zweizeilige Denkmalwidmung: „DEN GEFALLENEN HELDEN // DIE DANKBAREN EINWOHNER“. Die Widmung greift das Heldenmotiv auf und bindet die Einwohnerschaft ein. Die Inschrift ergänzt und unterstreicht die oben beschriebene Aussage der Skulptur. Das Denkmal, das maßgeblich aus Spenden der Einwohnerschaft finanziert wurde, ist in seiner ursprünglichen Intention kein nationalistisches Denkmal, sondern Zeugnis der trauernden Bevölkerung, besonders der Angehörigen, über den erlittenen realen Verlust, der emotionale, aber auch gravierende materielle Folgen für die Hinterbliebenen haben konnte. Junge Männer – Ehemänner, Väter, Söhne, Brüder, Freunde, Vereinsmitglieder etc. – die in den Krieg geschickt worden waren und nicht mehr zurückkehrten, hinterließen eine Lücke; sie fehlten in den Familien und in der noch dörflich geprägten Ortsgemeinschaft. Ihr Tod führte nicht selten zur materiellen Verarmung der Hinterbliebenen, wenn der Verstorbene als (Haupt-)Versorger oder als Mitarbeiter und potenzieller Nachfolger im Familienbetrieb fehlte.

Ausschnitt: Denkmalswidmung und Gefallenennamen
Ausschnitt: Denkmalswidmung und Gefallenennamen
Foto: Karin Pohl, 2023
An der linken Schmalseite des Denkmals hat Ernst Ziegler, Vorsitzender des Historischen Vereins Forstenried e.V., 2026 eine bislang völlig unbekannte, inzwischen verwitterte Inschrift der Initiatoren entdeckt: „ERRICHTET DURCH DEN VEREIN DIE HEIMGEKEHRTEN“
An der linken Schmalseite des Denkmals hat Ernst Ziegler, Vorsitzender des Historischen Vereins Forstenried e.V., 2026 eine bislang völlig unbekannte, inzwischen verwitterte Inschrift der Initiatoren entdeckt: „ERRICHTET DURCH DEN VEREIN DIE HEIMGEKEHRTEN“
Foto: Ernst Ziegler, 2026
Auf der rechten Schmalseite stand einst: „Rich. Gschwender München-Waldfriedhof“. Diese Inschrift ist am Denkmal stark verwittert und kaum mehr lesbar. Hier Ausschnitt aus dem Foto von 1922/1923
Auf der rechten Schmalseite stand einst: „Rich. Gschwender München-Waldfriedhof“. Diese Inschrift ist am Denkmal stark verwittert und kaum mehr lesbar. Hier Ausschnitt aus dem Foto von 1922/1923
Historischer Verein Forstenried e.V.

An der linken Schmalseite des Denkmalblocks ist – heute kaum mehr lesbar – der Name des Vereins „Die Heimgekehrten“ eingeritzt, der das Denkmal initiiert, die Spendengelder gesammelt und den Bauplatz bei der Stadt München beantragt hat. Auf der rechten Schmalseite stand einst wohl der Name des ausführenden Steinmetzgeschäfts Richard Gschwender.

Unterhalb des Widmungsspruchs folgt die Tafel mit den Gefallenennamen, die 105 cm hoch, 79 cm tief und 184 cm breit ist. Ein nach unten weisendes Schwert, dessen Schaft mit Eichenlaub geschmückt ist, unterteilt die Auflistung der Gefallenennamen in zwei Spalten. Über der linken Spalte ist die Jahreszahl 1914, rechts 1918 eingraviert. Darunter folgen – weitgehend in der chronologischen Reihenfolge ihres Todes – die Namen von 41 Gefallenen samt militärischer Einheit, Sterbedatum und -land. Als erster fiel demnach Fritz Derzbach. Er kam am 20. August 1914, nur drei Wochen nach Kriegsbeginn (1. August 1914 Mobilmachung des Deutschen Reiches und Kriegserklärung an Russland), in Frankreich ums Leben. Genau vier Jahre später, am 20. August 1918, starb Theodor Kuchler in Frankreich. Bezogen auf das Waffenstillstandsabkommen vom 11. November 1918 war Kuchler der letzte eigentliche Kriegstote, dessen Name auf dem Denkmal steht.

Unter den letzten Namen auf dem Denkmal werden Andreas Kamm, Peter Port und Michael Thalmayer genannt; vor dem mutmaßlichen Todesdatum steht jeweils ein kleines „v“, was sie als im Kriegseinsatz Vermisste kennzeichnet.

Drei Brüder auf dem Kriegerdenkmal von 1922

Unter den 41 Namen, die heute auf dem Kriegerdenkmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs stehen, fällt auf, dass dort dreimal der Name Kübler auftaucht: Wilhelm, Friedrich und Franz Kübler – sie waren Brüder, die 1915, 1917 und 1918 in Frankreich starben. Es handelt sich um drei von sieben Söhnen der Arztfamilie Kübler aus Forstenried. – Und um Brüder von Josef und Ludwig Kübler, die als vorgeblich Vermisste auf der Erweiterung des Kriegerdenkmals von 1951 stehen.

Auf dem Denkmal von 1922 wurde nachträglich ein Name ergänzt

Drei auf dem Denkmal genannte Personen starben erst nach dem offiziellen Kriegsende vom 11. November 1918: Max Holderied starb am 5. Dezember 1918 in der Heimat. Ebenfalls in der Heimat starb am 31. Januar 1919 Sebastian Wittmann. Als Kriegsteilnehmer, die so kurz nach Kriegsende starben – möglicherweise an einer Krankheit oder Verletzung infolge ihres Kriegseinsatzes – stehen ihre Namen folgerichtig auf dem Denkmal.

Dies trifft auf den Namen, der heute als letzter am Denkmal zu lesen ist, nicht zu: Laut Denkmalsinschrift kam Ferdinand Hipper, Leutnant der Reserve beim Infanterie-Lehrregiment, am 5. Juni 1921 „bei den Freiheitskämpfen in Oberschlesien“ ums Leben. Der Vergleich des heutigen Denkmals mit dem ältesten bisher bekannten Foto vom Denkmal zeigt dort als letzten Namenseintrag „Mich. Thalmayer“. Dies beweist, dass Hippers Name nicht von Anfang an auf dem Denkmal stand, sondern erst später nachgetragen wurde. Das bedeutet, dass bereits der älteste Teil des Denkmals verändert wurde.

Der Name Ferdinand Hipper wurde vermutlich erst Anfang der 1930er Jahre nachgetragen.
Der Name Ferdinand Hipper wurde vermutlich erst Anfang der 1930er Jahre nachgetragen.
Foto: Karin Pohl, 2023
Das älteste bekannte Foto zeigt das Kriegerdenkmal Forstenried noch im ursprünglichen Zustand und ohne Einfriedung. Da die Einfriedung frühestens in der zweiten April-Hälfte 1923 angebracht wurde, entstand das Foto um 1922/1923, zwischen Denkmalseinweihung (11. Juni 1922) und Mitte April 1923. Die Tafel nennt statt 41 nur 40 Gefallene – es fehlt der Name des bei den Kämpfen in Oberschlesien gestorbenen Ferdinand Hipper.Das älteste bekannte Foto zeigt das Kriegerdenkmal Forstenried noch im ursprünglichen Zustand und ohne Einfriedung. Da die Einfriedung frühestens in der zweiten April-Hälfte 1923 angebracht wurde, entstand das Foto um 1922/1923, zwischen Denkmalseinweihung (11. Juni 1922) und Mitte April 1923. Die Tafel nennt statt 41 nur 40 Gefallene – es fehlt der Name des bei den Kämpfen in Oberschlesien gestorbenen Ferdinand Hipper.
Das älteste bekannte Foto zeigt das Kriegerdenkmal Forstenried noch im ursprünglichen Zustand und ohne Einfriedung. Da die Einfriedung frühestens in der zweiten April-Hälfte 1923 angebracht wurde, entstand das Foto um 1922/1923, zwischen Denkmalseinweihung (11. Juni 1922) und Mitte April 1923. Die Tafel nennt statt 41 nur 40 Gefallene – es fehlt der Name des bei den Kämpfen in Oberschlesien gestorbenen Ferdinand Hipper.
Historischer Verein Forstenried e.V.

Wer war Ferdinand Hipper und wie gelangte sein Name nachträglich auf das Kriegerdenkmal? Über Ferdinand Hipper ist bislang nur wenig bekannt. Er wurde am 9. Mai 1896 als Sohn des Kgl. Försters in Oberdill Friedrich Hipper (1850-1911) und dessen Frau Fanny Hipper (1866-1948) geboren. Der gerade einmal 18-jährige Halbwaise zog laut einem Zeitungsbericht „1914 als Freiwilliger ins Feld, wurde bald zum Offizier befördert und für hervorragende Tapferkeit u.a. mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet.“ Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich Oberleutnant Hipper offenbar dem paramilitärischen Freikorps Oberland an. Er starb am 5. Juni 1921 bei den Grenzkämpfen gegen die Abtrennung Oberschlesiens an Polen und wurde in der Folge in revanchistischen, antidemokratisch-völkisch-antisemitischen Kreisen als Märtyrer verehrt: Ein gedrucktes Gedenkblatt nennt unter der Überschrift „Freikorps Oberland. Den Heldentod für’s Vaterland starben in Oberschlesien“ auch Hippers Namen.

Todesanzeige für Ferdinand Hipper, Oberleutnant der Reserve, der nach Auffassung der Familie: „Im Kampf um Oberschlesien den Heldentod fand.“
Todesanzeige für Ferdinand Hipper, Oberleutnant der Reserve, der nach Auffassung der Familie: „Im Kampf um Oberschlesien den Heldentod fand.“
Aus: Münchner Neueste Nachrichten, Abend-Ausgabe, 9.6.1921
Todesanzeige für Ferdinand Hipper mit Informationen über den Beerdigungstermin in Forstenried und den Trauergottesdienst, der einen Tag später, am 16.9.1921 in der Münchner Kirche St. Maximilian stattfand.
Todesanzeige für Ferdinand Hipper mit Informationen über den Beerdigungstermin in Forstenried und den Trauergottesdienst, der einen Tag später, am 16.9.1921 in der Münchner Kirche St. Maximilian stattfand.
Aus: Münchner Neueste Nachrichten, 14.6.1921

Hippers Leichnam wurde überführt und am 15. Juni 1921 unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit auf dem Forstenrieder Friedhof durch den dortigen Pfarrer Oskar Winsauer beigesetzt. Einen Tag später berichteten die Münchner Neuesten Nachrichten über die Trauerfeier für den „im Kampfe mit polnischen Banden gefallene[n] Oberleutnant a.D. Ferdinand Hipper“. Neben Familienangehörigen fand sich bei der Beisetzung auch der Leiter der paramilitärischen Einwohnerwehren Georg Escherich mit Anhängern ein. Kränze am Grab legten laut Zeitungsbericht ab: „Forstrat Dr. Escherich für den Landesverband der bayerischen Einwohnerwehr, die Leitung des [Freikorps] Oberland, sowie Verlag- und Schriftleitung der ‚München-Augsburger Abendzeitung‘.“ Abschließend würdigte die Zeitung Hippers Kriegseinsatz.

Da Hipper ein Jahr vor der Einweihung des Forstenrieder Kriegerdenkmals gestorben ist, hätte sein Name von Anfang an auf dem Denkmal stehen können. Dass es anders kam, könnte daran liegen, dass die ursprünglichen Entscheider im Verein „Die Heimgekehrten“ den Oberschlesienkämpfer nicht als Kriegsgefallenen betrachteten. Dass der Name zu einem späteren Zeitpunkt nachgetragen wurde, spricht für einen Wandel in der Bewertung.

Darüber, wann der Nachtrag erfolgte, lässt sich aufgrund fehlender Quellen nach jetzigem Forschungsstand nur spekulieren. Kriegelsteiner erwähnt in seiner Chronik, dass das Denkmal 1932 „gründlich renoviert“ worden sei. Es ist möglich, dass damals auch Hippers Name angebracht wurde.

Dass der Name Hippers auf dem Kriegerdenkmal in Forstenried steht und dies wegen seiner Verehrung durch Angehörige des Freikorps bzw. des Bundes Oberland problematisch ist, ist bekannt. Die Vermutung, dass sein Name nachträglich eingefügt wurde, bestätigte sich durch die Auswertung der ältesten erhaltenen Fotografie vom Denkmal.

Die Feststellung, dass das Denkmal von 1922 nachträglich im Sinne der Deutung nationalistisch radikaler Kreise um den Bund Oberland verändert wurde, ist für die spätere „Nutzung“ des Kriegerdenkmals Forstenried von Bedeutung. Im Abschnitt zur Geschichte des Kriegerdenkmals wird auf die weitere Entwicklung des Stiftervereins „Die Heimgekehrten“ und auf das Gefallenengedenken zum Heldengedenktag in der NS-Zeit hingewiesen.

Beschreibung der Denkmalsteile von 1951 und Problematik der Erweiterung

Linke Erweitungsstele mit Gefallenenamen
Linke Erweitungsstele mit Gefallenenamen
Foto: Karin Pohl, 2023
Rechte Erweiterungsstele mit den Namen von Gefallenen, Luftkriegsopfern und Vermissten
Rechte Erweiterungsstele mit den Namen von Gefallenen, Luftkriegsopfern und Vermissten
Foto: Karin Pohl, 2023

Die feierliche Erweiterung des Forstenrieder Kriegerdenkmals erfolgte am 16. September 1951 durch die Aufstellung zweier Stelen mit den Namen von Opfern des Zweiten Weltkriegs beidseits des bestehenden Denkmals. Die Stelen sind jeweils 129 cm hoch, 141 cm breit und verlaufen nach oben hin konisch – unten sind sie 40 cm tief, oben 33 cm. Die Namenstafeln sind schlicht; auf jegliches Schmuckelement wurde verzichtet. Lediglich die Jahreszahlen sind eingraviert: links 1939, rechts 1945. Darunter in jeweils zwei Spalten und in alphabetischer Reihenfolge die Namen mit Geburts- und Sterbedatum. Militärische Dienstgrade oder Einheiten werden nicht genannt. Auch beim General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler und dessen Bruder Generalleutnant Josef Kübler fehlt die Angabe des militärischen Rangs; – dies mag dazu beigetragen haben, dass die beiden problematischen Namensnennungen nicht auffielen und lange unentdeckt blieben.

Auf den Stelen von 1951 wird insgesamt an 130 Personen erinnert. Die meisten, nämlich 92, waren gefallene Wehrmachtssoldaten. Auf der rechten Stele wird das Kriegerdenkmal um zwei Opferrubriken erweitert: „Durch Luftkrieg“ Gestorbene und „Vermisste“. Unter „Vermisste“ sind 28 Personen genannt. Obwohl sie als vermisst galten, ist bei den meisten ein konkretes, mutmaßliches Todesdatum und bei einigen zumindest der Monat und das Jahr genannt. Lediglich bei zwei Personen, bei Josef und Ludwig Kübler, beschränkt sich die Angabe auf eine Jahreszahl, nämlich 1947. In diesem Jahr wurden beide wegen Kriegsverbrechen verurteilt und im Abstand von wenigen Monaten nacheinander hingerichtet. War dies in Forstenried 1951 nicht bekannt? Die Einordnung unter die Kategorie „Vermisst“ verzerrt historische Tatsachen: Denn es wird suggeriert, die Kübler-Brüder seien Opfer des Krieges gewesen – tatsächlich waren sie Täter.

Die zweite Rubrik betrifft zivile Opfer: Es werden zehn „Durch Luftangriff“ gestorbene Personen genannt, darunter drei Frauen – die einzigen auf dem ansonsten männlich geprägten Kriegerdenkmal.

Die Erweiterung der Widmung von 1922 auf Tote des Zweiten Weltkriegs – Ausdruck einer Gesellschaft, die sich selbst als schuldloses Opfer begreift und den Mythos von der „sauberen Wehrmacht“ aufbaut

Durch die Denkmalserweiterung von 1951 wurde die Inschrift „DEN GEFALLENEN HELDEN // DIE DANKBAREN EINWOHNER“ auch auf die Toten des Zweiten Weltkriegs erweitert. Wie oben ausgeführt, spiegelt die Widmung von 1922 den Zeitgeist der Zwischenkriegszeit wider. Vor allem den Angehörigen diente damals der Begriff und das Bild vom „Helden“ dazu, dem massenhaften Sterben nachträglich einen Sinn zu verleihen. Der NS-Staat knüpfte daran an und gab dem heldenhaften Soldatentod eine neue ideologische Dimension. Der Heldentopos wurde am „Heldengedenktag“, der seit 1934 durch Umwidmung des traditionellen Volkstrauertags eingeführt wurde, kollektiv beschworen und verklärt. Die Feiern, die bei den vorhandenen Kriegerdenkmälern stattfanden und die Denkmäler wurden ideologisch vereinnahmt, um die Bevölkerung auf den vom NS-Regime angestrebten nächsten Krieg einzustimmen, der ein rassistischer und antisemitischer Angriffs- und Vernichtungskrieg wurde.

Dass der Heldentopos 1951 auf die Forstenrieder Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs übertragen wurde, ist eine Verharmlosung und Verschleierung der verbrecherischen nationalsozialistischen Kriegsführung und von Wehrmachtsverbrechen. Durch die Übertragung des Spruchs auf die Toten, die an der Heimat- und an der Kriegsfront starben oder als vermisst eingestuft wurden, werden die Zivilopfer und die Soldaten pauschal als „Helden“ verklärt, die deutsche Kriegsschuld und die Täterschaft der Wehrmacht ausgeblendet. In Bezug auf die verurteilten hochrangingen Wehrmachtsoffiziere Josef und Ludwig Kübler ist dies umso gravierender. Vor dem Hintergrund der Wehrmachtsverbrechen ist auch die behauptete Dankbarkeit der Einwohnerschaft unhaltbar. Die Entscheidung, das bereits vorhandene Denkmal zu ergänzen, ist der Versuch, Kontinuität herzustellen, die Wehrmacht als „normale Armee“, den Zweiten Weltkrieg als einen „normalen Krieg“ zu verharmlosen, um die Ungeheuerlichkeit der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen und den Holocaust und die Mitwirkung der Wehrmacht daran zu verschleiern. Dies macht die Denkmalserweiterung zu einem beredten Zeugnis der restaurativen, die Verbrechen der Wehrmacht verschweigenden oder beschönigenden Nachkriegsepoche.

Geschichte des Kriegerdenkmals: Entstehung, Erweiterung

Die Gemeinde Forstenried wurde 1912, zwei Jahre vor Beginn des Ersten Weltkriegs, mit den Ortsteilen Fürstenried, Maxhof, Unterdill und Kreuzhof nach München eingemeindet und zählte damals rund 800 Einwohner*innen. Auch nach dem Ersten Weltkrieg war der junge Stadtteil ausgesprochen dörflich geprägt. Die Initiative zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in Forstenried ging von heimgekehrten Weltkriegsveteranen aus. Obwohl es bereits seit 1873 den „Krieger- u. Veteranen-Verein Forstenried“ gab, entschlossen sich die zurückgekehrten Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs zur Gründung eines eigenen Vereins. Der Forstenrieder Chronist Franz Xaver Kriegelsteiner erklärt dies damit, dass „der Geist der heimgekehrten Truppen […] leider gar nicht mehr dem konservativen Geist der alten Veteranenvereine“ entsprochen habe. – Anders ausgedrückt: Die Weltkriegsheimkehrer konnten mit der patriotischen Kriegsromantik, die im bestehenden Verein vorherrschte, nichts anfangen. Unter dem noch frischen Eindruck des brutalen Kriegserlebnisses und des entkommenen Soldatentods gaben sie dem am 1. März 1919 gegründeten Verein den sprechenden Namen „Die Heimgekehrten“. Der neue Verein sollte „eine gänzlich unpolitische, kameradschaftliche Vereinigung sein“.

Wie andere Vereine in dieser Zeit pflegten auch „Die Heimgekehrten“ die Geselligkeit; Vereinslokal war das Gasthaus Buchmayr, wo sich die Mitglieder auch eine Theaterbühne aufbauten, und Gesangsproben stattfanden. Ein wesentliches Vereinsziel neben der Kameradschaftspflege war die Schaffung eines eigenen Kriegerdenkmals.

„Aufnahms-Karte“ für Herrn Karl Mayer in den Verein „Die Heimgekehrten“, München-Forstenried vom 16. Juli 1920, gezeichnet durch den Vereins-Ausschuss: K. Bilmoser, Vorstand; Reisenegger, Kassier und Cornelius, Schriftführer.
„Aufnahms-Karte“ für Herrn Karl Mayer in den Verein „Die Heimgekehrten“, München-Forstenried vom 16. Juli 1920, gezeichnet durch den Vereins-Ausschuss: K. Bilmoser, Vorstand; Reisenegger, Kassier und Cornelius, Schriftführer.
Historischer Verein Forstenried e.V.

In mehreren Vereinssitzungen, an denen auf Einladung auch der Veteranen- und Soldatenverein, Stadtpfarrer Oskar Winsauer und weitere Interessierte teilnahmen, wurden unterschiedliche Vorstellungen diskutiert. Während Pfarrer Winsauer ein Denkmal im Kirchenraum in Form eines Glasbildes und einer Gedenktafel anstrebte, wünschten sich „Die Heimgekehrten“ ein freistehendes Denkmal im Ortszentrum.

Am 5. Oktober 1920 wandte sich der Verein „Die Heimgekehrten Forstenried“ an „den löblichen Stadtrat der Landeshauptstadt München“ wegen der unentgeltlichen „Überlassung eines städtischen Platzes zur Aufstellung eines Kriegerdenkmals […] für die im Kriege 1914-18 gefallenen Angehörigen des Pfarrsprengels Forstenried“. Dem Schreiben war eine Skizze mit dem gewünschten Aufstellungsort vor dem Forstamt beigefügt. Vorsorglich wies der Verein darauf hin, dass „die gesamte Einwohnerschaft Forstenrieds der Errichtung eines Denkmals im obigen Sinne durchaus sympathisch gegenübersteht“.

„Die Heimgekehrten“ wünschten sich ursprünglich den Platz vor dem Forstamt (12) als Standort für das Kriegerdenkmal.
„Die Heimgekehrten“ wünschten sich ursprünglich den Platz vor dem Forstamt (12) als Standort für das Kriegerdenkmal.
Stadtarchiv München, DE-1992-BUR-0552: Skizze zum Schreiben vom 5. Oktober 1920 an den Stadtrat der Landeshauptstadt München
Wegen vorhandener Wasserleitungen stellte die Stadtverwaltung dem Verein eine städtische Fläche südlich der beantragten zur Verfügung.
Wegen vorhandener Wasserleitungen stellte die Stadtverwaltung dem Verein eine städtische Fläche südlich der beantragten zur Verfügung.
Stadtarchiv München, DE-1992-BUR-0552: Lageplan für die Aufstellung eines Krieger-Denkmals in Forstenried, Oktober 1920, Hochbauamt, Stadterweiterungsbüro

Am 6. Dezember 1920 teilte die Stadtverwaltung dem Verein mit, man sei bereit, auf dem städtischen Grundstück „ohne Änderung der Eigentumsverhältnisse ein mäßig großes Kriegerdenkmal aufstellen zu lassen und auf eine Grundbenützungsgebühr zu verzichten.“ Als Voraussetzung für die Genehmigung des Antrags behielt sich die Stadt „das Recht der Plan- und Modellgenehmigung“ vor.

Nach der Bauplatzgenehmigung machte sich der Verein 1921 daran, Spendengelder zu sammeln. Laut Kriegelsteiner waren 24.000 Mark aufzubringen, was für den jungen Verein unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit nicht einfach gewesen, aber dank der Beharrlichkeit von Vereinsvorstand Leonhard Reisenegger schließlich gelungen sei.

Das mit Spenden der Einwohnerschaft finanzierte Denkmal wurde am 11. Juni 1922 im Anschluss an eine von Stadtpfarrer Winsauer gehaltene Feldmesse feierlich enthüllt und dem anwesenden 1. Bürgermeister der Stadt München, dem Sozialdemokraten Eduard Schmid, symbolisch übergeben. Professor Winsauer, ein Bruder des Pfarrers, hielt die Festrede. An der Feier nahmen 34 geladene Veteranen- und Kriegervereine sowie Regimentsvereinigungen teil. Am Nachmittag fand ein Festzug mit Konzert statt.

Über die weitere Nutzungsgeschichte des Denkmals ist wenig überliefert. Das Kriegerdenkmal Forstenried fand weder in der Lokalberichterstattung noch in der Forschungsliteratur einen nennenswerten Niederschlag. In seiner 1936 fertiggestellten Ortsgeschichte erwähnt der Forstenrieder Chronist Kriegelsteiner, dass das Denkmal zum zehnjährigen Bestehen 1932 „gründlich renoviert“ wurde. Der Verein „Die Heimgekehrten“ habe sich „stets ganz neutral“ verhalten und seine „Hauptbetätigung nach der Errichtung des Denkmals […] in der Sorge für dasselbe, in der jährlichen Abhaltung der Gedenkfeier für die Gefallenen“ und in Geselligkeitspflege erblickt. Unter der langjährigen Vorstandschaft Leonhard Reiseneggers sei der Verein „in der ganzen Bevölkerung beliebt“ gewesen.

Bis 1933 führte der Verein „Die Heimgekehrten“ unter Einbindung weiterer Vereine die Feiern am Denkmal durch. Das Kriegergedenken fand zum Volkstrauertag statt, der damals am fünften Sonntag vor Ostern begangen wurde. Möglicherweise gab es auch zu anderen Anlässen Feiern am Denkmal, etwa an den Jahrestagen zur Vereinsgründung oder zur Denkmaleinweihung.

In der NS-Zeit übte die NSDAP Druck auf die bestehenden Krieger- und Veteranenvereine aus, sich dem Einheitsverband Kyffhäuser-Bund anzuschließen. Der Veteranenverein Forstenried vollzog diesen Schritt am 26. August 1933. Der Verein „Die Heimgekehrten“ hingegen löste sich in der Generalversammlung am 31. Dezember 1933 auf. Laut Kriegelsteiner gingen Inventar und Fahnen an den neuen „Krieger-Verein Forstenried im Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser“. Es ist sehr wahrscheinlich, dass damit auch die Zuständigkeit für das Kriegerdenkmal auf den örtlichen Kyffhäuser-Bund überging.

1925 schaffte sich der „Verein Die Heimgekehrten München-Forstenried“ eine Fahne an. Diese wird vom Veteranen- und Kriegerverein München Forstenried e.V. verwahrt.1925 schaffte sich der „Verein Die Heimgekehrten München-Forstenried“ eine Fahne an. Diese wird vom Veteranen- und Kriegerverein München Forstenried e.V. verwahrt.
1925 schaffte sich der „Verein Die Heimgekehrten München-Forstenried“ eine Fahne an. Diese wird vom Veteranen- und Kriegerverein München Forstenried e.V. verwahrt.
Fotos: Historischer Verein Forstenried e.V.

Viele Kriegerdenkmäler wurden in der NS-Zeit auch für die Kriegspropaganda des NS-Regimes genutzt. Ab 1934 widmeten die Nationalsozialisten den bisherigen Volkstrauertag zum Heldengedenktag um; ab 1939 fand dieser immer am 16. März statt, da an diesem Tag im Jahr 1935 die Wehrpflicht wiedereingeführt wurde.

Das Kriegerdenkmal (links) fügte sich gut in den dörflich geprägten Stadtteil ein. Ausschnitt aus einer Sammelpostkarte um 1940
Das Kriegerdenkmal (links) fügte sich gut in den dörflich geprägten Stadtteil ein. Ausschnitt aus einer Sammelpostkarte um 1940
Historischer Verein Forstenried e.V.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kaum Veröffentlichungen zum Kriegerdenkmal Forstenried. Zur Denkmalserweiterung um zwei Stelen mit den Namen für die Toten des Zweiten Weltkriegs fand sich nur die lapidare Pressemeldung vom 15. September 1951: „Die Pfarrei München-Forstenried erwartet die Wallfahrer von Thalkirchen. Außerdem wird in Forstenried das neue Kriegerdenkmal eingeweiht.“ Der Eintrag im sog. Verkündbuch der Pfarrkirch Heilig Kreuz vermerkt ebenso knapp: „10 Uhr feierl. Gottesdienst anläßl. der Erweiterung des neuen Kriegerdenkmals“. Wer die Aufstellung der neuen Namenstafeln veranlasste, wer die Namensauswahl traf und dafür sorgte, dass die Wehrmachtsoffiziere Josef und Ludwig Kübler als „Vermisste“ auf dem Denkmal verewigt wurden, ist nach derzeitigem Kenntnisstand völlig ungeklärt, zumal erst am 17. August 1952 – also knapp ein Jahr nach der Denkmalserweiterung – der „Veteranen- und Kriegerverein München-Forstenried“ (wieder-)gegründet wurde. Den Vorsitz übernahm erneut Leonhard Reisenegger; durch ihn war eine personelle Kontinuität zu beiden Vorgängervereinen gegeben.

Seit dem Jahr 1952 kümmert sich der Veteranen- und Kriegerverein Forstenried – er trägt heute den Namen „Veteranen- und Soldatenverein Forstenried“ – um das Denkmal und lädt die Bevölkerung am Volkstrauertag im November zum Gefallenengedenken ein.

Trotz regelmäßiger Feiern und obwohl es mitten im Ort an einer vielbefahrenen Straße liegt, führte das Kriegerdenkmal Forstenried über viele Jahrzehnte ein unauffälliges Dasein. Weder die breit geführte Diskussion im Zuge der Umbenennung der ursprünglich nach Ludwig Kübler benannten General-Kübler-Kaserne in Mittenwald im November 1995 noch die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“, die eingehend den „Partisanenkrieg“ in Serbien 1941 behandelte und die 1997 in München gezeigt wurde, lösten in Forstenried eine Diskussion zu den Namen der Kübler-Brüder am Denkmal aus. Es spricht daher einiges dafür, dass in Forstenried schlicht in Vergessenheit geraten war, dass es sich bei den vorgeblich Vermissten um hochrangige Wehrmachtsoffiziere handelte, die am nationalsozialistischen Vernichtungskrieg mitgewirkt hatten.

2012 schlugen Unbekannte der rechten Soldatenfigur den Kopf ab. Anwohner*innen und besonders auch der Veteranen- und Soldatenverein Forstenried zeigten sich geschockt über diese Art von Vandalismus. Die damals 90-Jahre alte Skulptur konnte durch das Baureferat vollständig wiederinstandgesetzt werden. Danach wurde es erneut ruhig ums Denkmal – bis die 2021 eher zufällig erfolgte Entdeckung der Namen der Kriegsverbrecher Josef und Ludwig Kübler eine grundlegende Diskussion auslöste.

Problematische Namen auf der Denkmalserweiterung von 1951: Josef und Ludwig Kübler

Die Namen Josef und Ludwig Kübler wurden 2021 als problematische Namen auf dem Kriegerdenkmal Forstenried identifiziert. Die LH München, die Forstenrieder Vereine und die durch den Bezirksausschuss 19 vertretene Bürgerschaft einigten sich darauf, die Namen am Denkmal sichtbar zu streichen. Im Folgenden wird die Verstrickung von Josef und Ludwig Kübler in Kriegsverbrechen dargelegt und ausgeführt, weshalb ein distanzierender Umgang mit den Namen am Denkmal geboten ist.

Familie Kübler

Der praktische Arzt Dr. Wilhelm Kübler (1861-1915) kaufte am 25. August 1887 das im Jahr 1866 erbaute Anwesen Unterdill 4 in der Gemeinde Forstenried inklusive ca. 3000 Quadratmeter Grund und errichtete darauf ein Sanatorium. Mit seiner Frau Rosa (auch Rosina, 1864-1943), geborene Braun, hatte Wilhelm Kübler sieben Söhne und zwei Töchter: Wilhelm (17.1.1887-14.12.1915), Ludwig (2.9.1889-18.8.1947), Karolina (1890-o.D.), Josef (6.4.1896-26.2.1947), Franz (16.9.1897-25.4.1918), Friedrich (2.11.1899-2.9.1917), Georg (ca. 1900-o.D.) und Karl (1907/1908-5.5.1984) sowie eine weitere Tochter, von der jedoch weder der Vorname noch die Lebensdaten bekannt sind. Die Familie war katholisch.

Der Arzt Wilhelm Kübler starb bereits am 15. Mai 1915, im Alter von 53 oder 54 Jahren. Seiner Witwe Rosa Kübler brachte der Erste Weltkrieg weiteres großes Leid: Sechs ihrer Söhne zogen in den Krieg, drei kehrten nicht mehr zurück: Wilhelm, Franz und Friedrich Kübler fielen 1915, 1917 und 1918 in Frankreich. Ihre Namen stehen auf dem Forstenrieder Kriegerdenkmal von 1922. Für Rosa Kübler bedeutete dies, dass sie innerhalb von drei Jahren nicht nur den Tod ihres Ehemanns, sondern auch den von drei ihrer Kinder verkraften musste. Mindestens zwei ihrer Kinder waren damals noch im Kindesalter, schätzungsweise zwischen fünf und 15 Jahre alt. Sohn Ludwig – nach dem Tod seines Bruders Wilhelm, der älteste der Kübler-Söhne und bei Kriegsende 29 Jahre alt – kehrte infolge einer Gesichtsverletzung schwer entstellt aus dem Krieg zurück. Und auch dessen jüngerer Bruder Josef wurde im Krieg verwundet. Trotzdem entschlossen sich Ludwig und Josef Kübler ihre militärische Laufbahn fortzusetzen. Beide Brüder wurden 1919 zunächst in die vorläufige, 1921 in die neugebildete Reichswehr aufgenommen, die infolge des Versailler Vertrags auf maximal 100.000 Mann verkleinert worden war.

1918 heiratete Ludwig Kübler Anna Maria Märkel, und 1920 heiratete Josef Kübler deren Schwester Johanna Märkel – beide waren Töchter des Münchner Oberstudienrats Johann Märkel. Vermutlich in den 1950er Jahren brachten die Schwestern am Familiengrab der Märkels im Münchner Westfriedhof eine ehrende Inschrift für die hingerichteten Ehemänner an. Anders als am Kriegerdenkmal Forstenried, wurden die militärischen Ränge am Familiengrab mit Stolz genannt. Dort war zu lesen: „FÜR DEUTSCHLAND STARBEN IN JUGOSLAVIEN // DER GENERAL DER GEB.TR. HERR LUDWIG KÜBLER“ und „DER GENERALLTN. HERR JOSEF KÜBLER“, wobei jeweils der Todestag dem Geburtsdatum vorangestellt war. In dieser Form bestand das private Familiengrab noch Ende der 1980er Jahre. Das Kübler-Grab wurde jedoch nicht nur von der Familie besucht, sondern auch vom Kameradenkreis der Gebirgstruppe, dessen Geschäftsstelle Mitte der 1980er Jahre in München war. Die Gruppierung idealisierte, verharmloste und romantisierte die Gebirgstruppe und ihre Kommandeure, allen voran deren Gründer Ludwig Kübler. Reinhold Klebe, ehemaliger Offizier der Gebirgstruppe der Wehrmacht, ab 1956 Bundeswehr-Stabsoffizier und Kommandeur in Mittenwald, prägte diese Sichtweise. In bewusst irreführender Weise schrieb er 1985 im Mitteilungsblatt des Kameradenkreises in einem Kurzporträt: „Kübler war ein ritterlicher Offizier, und das heißt, er war kein Gefolgsmann Hitlers. Für ihn waren die Regeln des Kriegsvölkerrechts absolut verbindlich. […] Für die deutsche Gebirgstruppe aber bleibt Ludwig Kübler der General, dem sie bis auf den heutigen Tag am meisten zu verdanken hat.“ Im Mitteilungsblatt war 1985 außerdem zu lesen, dass der Kameradenkreis „die Gräber herausragender und besonders verdienter Persönlichkeiten der Gebirgstruppe“ betreute, darunter auch das Grab des Generals der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. An den Ehrengräbern legte der Kameradenkreis alljährlich am Volkstrauertag ein Gesteck mit Schleife nieder. „Wenn erforderlich“, übernahm der Kameradenkreis sogar „die Kosten für eine würdige Erhaltung der Gräber“. – Ob dies auch auf Küblers Scheingrab im Westfriedhof zutraf, ist nicht bekannt.

Ehrungen von Wehrmachtssoldaten auf privaten Familiengräbern waren in der Nachkriegszeit ein verbreitetes Phänomen, das vom Bestattungsgesetz geschützt war und jahrzehntelang gesellschaftlich nicht infrage gestellt wurde. Dass die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Art von Privatgedenken nicht mehr gegeben ist, zeigt die Diskussion infolge der 2015 entdeckten Ehrung des bei den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozessen verurteilten und hingerichteten Generaloberst der Wehrmacht Alfred Jodl auf dem Familiengrab in einem Friedhof am Chiemsee.

Private Grabstätte der Familie Märkel-Kübler am Münchner Westfriedhof mit problematischer Ehrung für die beiden – dort nicht beigesetzten – Wehrmachtsoffiziere. Laut dem undatierten Foto wurde dort zuletzt Ludwig Küblers Tochter Marianne beigesetzt, die am 26. Oktober 1988 gestorben war.
Private Grabstätte der Familie Märkel-Kübler am Münchner Westfriedhof mit problematischer Ehrung für die beiden – dort nicht beigesetzten – Wehrmachtsoffiziere. Laut dem undatierten Foto wurde dort zuletzt Ludwig Küblers Tochter Marianne beigesetzt, die am 26. Oktober 1988 gestorben war.
Aus: Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 301

Josef und Ludwig Kübler kamen im Zweiten Weltkrieg vor allem in der Sowjetunion und auf dem Balkan, Ludwig auch in Italien zum Einsatz. Als hochrangige Wehrmachtsoffiziere tragen sie Mitverantwortung für eine völkerrechtswidrige Kriegsführung und waren Teil des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs und des Holocausts. Die von ihnen befehligten Wehrmachtseinheiten waren im Zuge der völkerrechtswidrigen Partisanenbekämpfung an schweren Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung, Geiselerschießungen und an der Unterstützung der massenhaften Deportation und Tötung von Juden beteiligt.

Josef Kübler (6.4.1896-26.2.1947)

Josef Kübler (geboren am 6.4.1896 in München, gest. am 26.2.1947) war ein deutscher Offizier, der in der Wehrmacht Karriere machte und bis zum Generalleutnant aufstieg. Am Ende des Zweiten Weltkriegs geriet er in jugoslawische Kriegsgefangenschaft. Er wurde wegen schwerer Kriegsverbrechen, die unter seinem Kommando verübt wurden, vom Militärgerichtshof in Belgrad angeklagt und am 16. Februar 1947 zum Tode am Strang verurteilt. Das Urteil wurde am 26. Februar 1947 vollstreckt.

Josef Kübler war seit dem 28. Oktober 1920 mit Johanna Märkel (24.1.1894-22.2.1953) verheiratet und hatte mit ihr eine 1923 geborene Tochter.

Militärischer Werdegang, Einsatzgebiete

Josef Kübler trat am 16. August 1914 als Kriegsfreiwilliger in die bayerische Armee ein, nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde 1919 in die Reichswehr, Infanterie-Regiment 42, übernommen. In der Zwischenkriegszeit absolvierte er eine Ausbildung zum Generalstabsoffizier. Er wurde am 1. April 1925 zum Oberleutnant befördert und im Oktober 1925 in den Stab der 7. Division versetzt. Nach Stationen im Reichswehrministerium und der Beförderung zum Hauptmann am 1. November 1930, wurde Josef Kübler am 1. Dezember 1932 Kompaniechef im Infanterie-Regiment 19.

In der NS-Zeit setzte Josef Kübler seine Offizierskarriere in der Wehrmacht fort. Nach der Beförderung zum Major am 1. Dezember 1935 wurde er am 1. August 1936 in den Generalstab der Kriegsakademie versetzt und drei Jahre später zum Oberstleutnant befördert. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde Kübler Erster Generalstabsoffizier (Ia) im Stab des VI. Armeekorps. Ab dem 15. Oktober 1939 war er Ia im Stab der 12. Armee. Mit dieser wirkte er im Mai/Juni 1940 am Westfeldzug und ab Juni 1941 am Russlandfeldzug mit. Am 1. Oktober 1940 wurde er zum Oberst befördert. Ab dem 21. November 1941 war er Generalstabsoffizier im Stab des XXXXII. Armeekorps auf der Krim und am 6. Januar 1942 des XXXXIX. Gebirgs-Korps am Mius. Am 1. Januar 1943 zum Generalmajor, am 1. Januar 1944 zum Generalleutnant befördert, war er vom 15. März 1943 bis zum 19. Juli 1944 Kommandeur der 118. Jäger-Division auf dem Balkan.

Vom 1. September bis 16. Oktober 1944 kommandierte er die „Sturm-Division-Rhodos“, die für die sog. Partisanenbekämpfung von Griechenland nach Belgrad verlegt worden war. Und vom 27. Dezember 1944 bis März 1945 war Josef Kübler Kommandeur der 1. Gebirgs-Division, deren erster Kommandeur sein Bruder Ludwig gewesen war. Bei Kriegsende geriet Josef Kübler in jugoslawische Kriegsgefangenschaft.

Generalleutnant Josef Kübler, November 1944, Ort unbekannt
Generalleutnant Josef Kübler, November 1944, Ort unbekannt

Mitwirkung in Führungsfunktion an Kriegsverbrechen

Im Zweiten Weltkrieg wirkte Josef Kübler an verschieden Kriegsschauplätzen in unterschiedlichen Führungsfunktionen sowohl in der operativ-strategischen Planung als auch im konkreten Fronteinsatz. Von Kriegsbeginn am 1. September 1939 bis Februar 1943 war er Erster Generalstabsoffizier (Ia) wechselnder übergeordneter Einheiten.

Ab März 1943 folgte der Fronteinsatz als Kommandant verschiedener Einheiten in Jugoslawien, wobei der Einsatz als Kommandeur der 118. Jäger-Division der längste und gravierendste war.

In Serbien bekämpfte die deutsche Besatzungsmacht den wachsenden Widerstand der Partisanen mit drakonischen Maßnahmen. Bereits im August 1941 forderte der Befehlshaber in Serbien General Danckelmann überproportional harte Vergeltung für Anschläge: „Brutales Durchgreifen, Niederbrennen von Gebäuden bezw. Dörfern aus denen Überfälle auf deutsche Wehrmacht stattfinden, rücksichtsloses Erschießen im Kampf, Aufhängen, überführter Attentäter gegen deutsche Wehrmacht und ihre Interessen.“ Und weiter galt der am 16. September 1941 von OKW-Chef Wilhelm Keitel unterzeichnete Befehl zur Bekämpfung der „kommunistischen Aufstandsbewegung in den besetzten Gebieten“, der als „Sühne für ein deutsches Soldatenleben […] die Todesstrafe für 50-100 Kommunisten als angemessen“ ansah. Als Vergeltungsmaßnahmen (sog. Sühnemaßnahmen) führten die Besatzungstruppen gegen die Zivilbevölkerung massenhafte Erschießungen und Erhängungen durch. Die Gewalt der Wehrmacht richtete sich großenteils gegen Jüdinnen und Juden sowie gegen Angehörige der Sinti und Roma. Wolfgang Wette fasst die maßgebliche Rolle der Wehrmacht am Holocaust in Serbien zusammen: „Die Mordpraxis der Wehrmachtsbefehlshaber in Serbien führte „innerhalb eines Jahres zur Ausrottung sämtlicher Juden, ohne dass der Wehrmacht dabei die Mordkommandos der SS hätten behilflich sein müssen.“

Unter diesen Rahmenbedingungen der schrankenlosen Gewalt führte Josef Kübler die 118. Jäger-Division als Kommandeur. Die 118. Jäger-Division wurde bei der Schlacht an der Sutjeska (auch: Operation/Unternehmen „Schwarz“, 15. Mai-16. Juni 1943) eingesetzt. Diese Offensive war eine der blutigsten Aktionen zur sog. Bandenbekämpfung, bei der die deutschen Truppen mit extremer Härte und Brutalität gegen jugoslawische Partisanen sowie gegen die Zivilbevölkerung vorgingen.

Josef Kübler wurde im Februar 1947 in Belgrad wegen Kriegsverbrechen, die er als Truppenkommandeur zu verantworten hatte, angeklagt und hingerichtet. Für die Verbrechen, an denen er im Zuge des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs in diversen Stäben führend mitverantwortlich war, wurde er nie zur Rechenschaft gezogen.

Prozess und Hinrichtung

Zusammen mit anderen hochrangigen Wehrmachtsgenerälen des NS-Besatzungsregimes in Jugoslawien – Alexander Löhr, Hans Fortner, August Schmidthuber, Fritz Neidholdt, Günter Tibukait und Adelbert Lontschar – wurde Josef Kübler vom Militärgerichtshof in Belgrad ab dem 5. Februar 1947 der Prozess gemacht. Die sieben Angeklagten dieses Prozesses wurden der „Massenerschießungen von Zivilisten, besonders von Frauen und Kindern, der Zerstörung und Brandschatzung von Wohnungen, der Verschleppung von jugoslawischen Staatsbürgern in Lager und der Folterung und Tötung von Gefangenen und Verwundeten“ für schuldig befunden. Josef Kübler wurde am 16. Februar 1947 in Belgrad zum Tode durch den Strang verurteilt, das Urteil am 26. Februar 1947 vollstreckt.

Die Gerichtsverfahren in Jugoslawien basierte zumindest in Teilen auf den internationalen Standards der Nürnberger Prozesse. Die Anklage beruhte auf belegten Kriegsverbrechen. In der Bundesrepublik Deutschland wurden die Gerichtsverfahren gegen Wehrmachtssoldaten und -offiziere zur Zeit des sog. Kalten Krieges als Rachejustiz und sozialistische Schauprozesse abgetan. Statt sich mit den vorgebrachten Anklagepunkten auseinanderzusetzen, delegitimierte man die Ankläger. Exemplarisch für diese Sichtweise ist Roland Kaltenegger, der Josef Kübler als ein „Opfer von Titos Partisanenjustiz“ bezeichnet.

Im Kalten Krieg gedieh die Lüge von der „sauberen Wehrmacht“. Dies änderte sich erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Öffnung der Archive, eingehender Forschung und der öffentlichkeitswirksamen Ausstellung des Instituts für Sozialforschung zum Vernichtungskrieg der Wehrmacht.

Ludwig Kübler (2.9.1889-18.8.1947)

Ludwig Kübler (geboren am 2.9.1889 in Unterdill, gestorben am 18.8.1947 in Ljubljana) nahm als Berufssoldat am Ersten Weltkrieg teil, wurde in die verkleinerte Reichswehr übernommen und durchlief eine steile Militärkarriere. Er war seit dem 25. November 1918 mit Anna Maria Märkel (9.8.1890-23.6.1977) aus München verheiratet. Das Ehepaar bekam zwei Töchter: Elisabeth, geboren am 19. Dezember 1919 in München und Marianne, geboren am 13. September 1927 in Berlin-Tempelhof.

In der NS-Zeit baute er die deutsche Gebirgstruppe maßgeblich mit auf und kommandierte im Zweiten Weltkrieg die 1. Gebirgs-Division sowie das XXXXIX. Gebirgs-Korps, bevor er kurzzeitig als Oberbefehlshaber der 4. Armee eingesetzt wurde. Ab 1943 war Ludwig Kübler Befehlshaber in der „Operationszone Adriatisches Küstenland“. Er war aktiv in der sog. Partisanenbekämpfung und rief mit dem berüchtigten Korpsbefehl Nr. 9 vom 24. Februar 1944 zur Brutalisierung des Krieges und zu Kriegsverbrechen auf.

Ludwig Küblers militärischer Werdegang, Einsatzgebiete, Kriegsverbrechen, Prozess

Ludwig Kübler wurde am 2. September 1889 im Forstenrieder Ortsteil Unterdill geboren. Er wuchs zusammen mit sechs Brüdern und zwei Schwestern in Forstenried auf und wurde im Jahr 1895 in der Volksschule Forstenried eingeschult. Ab 1898 besuchte Ludwig Kübler das Progymnasium des Klosters Schäftlarn, ab 1902 das Gymnasium Rosenheim und ab 1903 das humanistische Ludwigsgymnasium in München, auf dem er im Jahr 1908 das Abitur in allen Fächern mit der Note 1 abschloss. Er bestand die Prüfung für ein Maximilianeums-Stipendium, entschied sich jedoch gegen eine Zivilkarriere und für die Offizierslaufbahn.

Nach dem Abitur trat Ludwig Kübler am 20. Juli 1908 als Fahnenjunker beim 15. Infanterie-Regiment „König Friedrich August von Sachsen“ in Neuburg a. d. Donau in die Königlich Bayerische Armee ein. Nach einer sehr positiven dienstlichen Beurteilung kommandierte das Kriegsministerium den inzwischen zum Fähnrich Beförderten zum Offizierslehrgang an die Kriegsschule München, den er vom 1. Oktober 1909 bis 14. Oktober 1910 absolvierte. Von 166 Teilnehmern schloss Ludwig Kübler diesen als fünftbester ab, wurde am 23. Oktober 1910 zum Leutnant befördert. Beim 15. Bayer. Infanterie-Regiment wirkte er bis zum Ersten Weltkrieg als Zugführer in der Rekrutenausbildung.

Im Ersten Weltkrieg wurde Ludwig Kübler als Zugführer in der Maschinengewehr(MG)-Kompanie seines Regiments eingesetzt. Bei Kämpfen in Lothringen erlitt er am 24. September 1914 durch Granatsplitter eine schwere Gesichtsverletzung, die ihn zeitlebens entstellte. Noch vor der Ausheilung kehrte er am 13. Januar 1915 vom Lazarett zu seinem Regiment an die Somme zurück. Am 21. September 1914 hatte ihn der Regimentskommandeur zu seinem Adjutanten berufen. In dieser Dienststellung wirkte er vor allem im Stabsdienst. Vom 1. Oktober bis 2. November 1917 nahm er an der Generalstabsausbildung bei der 2. Bayer. Infanterie-Division teil. Im Dezember 1917 erhielt er vom Kompanieführer seines Regiments eine hervorragende Beurteilung und wurde zur Verwendung im Generalstabsdienst oder als Adjutant in höheren Kommandobehörden vorgeschlagen. Oberleutnant (in diesem Rang seit 1. Juni 1915) Ludwig Kübler wurde an die Front versetzt und übernahm Ende Januar 1918 die Führung der 1. MG-Kompanie, später die MG-Scharfschützenabteilung seines Regiments. Am 11. April 1918 wurde er zum II. Bataillon des 12. Bayerischen Infanterie-Regiments abkommandiert und zum Kompanieführer ausgebildet. Nach erneuter Übernahme der MG-Kompanie des 15. Bayer. Infanterie-Regiments brach die Gesichtswunde wieder auf. Das Kriegsende erlebte Ludwig Kübler im Reservelazarett in Erlangen. Kurz nach seiner Einlieferung erfolgte die Beförderung zum Hauptmann.

Im Ersten Weltkrieg wurde Ludwig Kübler mit dem bayerischen Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern in zwei Stufen, dem preußischen Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse sowie dem Ritterkreuz 2. Klasse und dem sächsischen Albrechts-Orden ausgezeichnet.

Einen Tag nach der Entlassung aus dem Lazarett am 15. Februar 1919 übernahm Ludwig Kübler die Heimatschutzkompanie des 15. Bayer. Infanterie-Regiments. Im April 1919 beteiligte sich diese unter seiner Führung und unter dem Oberkommando Ulm unter Major von Seißer an der blutigen Niederschlagung der „Räterepublik Baiern“ . Kübler nahm mit seiner Kompanie vom 20. bis 23. April 1919 an den Kampfhandlungen in Augsburg teil, und wirkte anschließend an der Niederschlagung der Räteherrschaft im Allgäu mit. Bei der Besetzung Augsburgs kam es zu heftigen Kämpfen in den Arbeitervierteln mit circa 40 Todesopfern. Ob bzw. inwiefern die von Ludwig Kübler befehligte Kompanie an Übergriffen gegen die Bevölkerung beteiligt war, verbleibt ein Forschungsdesiderat.

Im Oktober 1919 wurde Ludwig Kübler vom Reichswehrministerium nach Kempten als Chef der 10. (Gebirgsjäger-)Kompanie des III. (Gebirgsjäger-)Bataillons im Reichswehr-Schützen-Regiment 42 versetzt. Aufgrund hervorragender Beurteilung konnte Kübler trotz erheblicher Truppenverkleinerung im Militärdienst verbleiben. Bereits die Beurteilung vom 24. August 1919 enthält die Aussage, dass Kübler in seinem persönlichen Auftreten „kaltblütig und unerschrocken“ sei.

Am 1. Oktober 1921 wurde Ludwig Kübler in die Operationsabteilung des Reichsministeriums nach Berlin berufen. Der vierjährigen Tätigkeit folgte die Verwendung beim Stab des Infanterie-Regiments 3 in Berlin. Nach zwei Jahren erfolgte die Versetzung zur 1. Division nach Königsberg, wo er bis Mitte Mai 1931 in der Generalstabsausbildung als Lehrstabsoffizier tätig war. Seit August 1928 im Dienstrang eines Majors übernahm Kübler 1931 in Kempten im Infanterie-Regiment 19 die Kommandeursstelle des I. Bataillons, dem einzigen Gebirgsjägerverband der Reichswehr. Am 1. April 1932 erfolgte die Ernennung zum Oberstleutnant.

In der NS-Zeit, am 1. Oktober 1933, wurde Ludwig Kübler Chef des Stabs bei der in München beheimateten 7. Division. Laut Schönherr hatte Kübler in München „engen Kontakt zur NSDAP, SA und SS, da die Planung der Reichswehr vorsah, den personellen Bedarf für den erweiterten Aufbau der deutschen Streitkräfte aus dem Reservoir der SA und SS zu decken.“ Kübler wurde zum 1. Oktober 1934 zum Oberst befördert und am 1. Juni 1935 Kommandeur der Gebirgs-Brigade. Zu Fortbildungszwecken nahm Kübler im Herbst 1935 an Manövern der schweizerischen Gebirgstruppe teil.

Kübler, der am 1. Januar 1938 zum Major befördert worden war, beteiligte sich als Kommandeur der Gebirgs-Brigade im März 1938 am sog. Anschluss Österreichs. Anschließend wurde die Brigade zur 1. Gebirgs-Division erweitert und unter Küblers Leitung zur einsatzfähigen Hochgebirgstruppe ausgebaut. Kübler beteiligte sich maßgeblich am Ausbau dieses Großverbands, überwachte den Aufbau von Liegenschaften sowie die Ausbildung und die Ausrüstung der Soldaten. Damit gilt Kübler als Gründer der Gebirgstruppe in der Wehrmacht; wofür er – wie Schönherr in seinem Gutachten von 1995 schreibt – „auch heute noch in der Gebirgstruppe [der Bundeswehr, KP] geachtet und gewürdigt“ werde. Die von Schönherr angesprochene Verehrung blendete die Verbrechen der von Kübler begründeten und zeitweise unter seinem Kommando stehenden 1. Gebirgs-Division aus und stemmte sich noch 1995 gegen die von Kritikern geforderte Ent-/Umbenennung der General-Kübler-Kaserne in Mittenwald.

Im Mai und September 1938 provozierte NS-Deutschland mit der sog. Sudetenkrise einen internationalen Konflikt. Am 18. September rückte die 1. Gebirgs-Division unter Ludwig Kübler „kriegsmäßig und mit scharfer Munition in den Bayerischen Wald“ vor. Vom 1. bis 18 Oktober 1938 besetzte die 1. Gebirgs-Division die sog. Sudetengebiete, die gemäß des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 von der Tschechoslowakischen Republik abgetrennt und dem Deutschen Reich angeschlossen wurden.

Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, beteiligte sich die 1. Gebirgs-Division ab dem 5. September an Kampfhandlungen in Polen. Unter ständigen Gefechten kämpfte sich der Verband im von Kübler ausgegebenen „rücksichtslosem Vorwärtsdrang“ bereits zum 11. September bis Lemberg vor. Küblers skrupelloses Vorgehen brachte ihm den Beinamen „Bluthund von Lemberg“ ein. Bei der „Sturmfahrt auf Lemberg“ ging Kübler besonders rücksichtslos auch gegen die eigenen Leute vor und verlor etwa 20 Offiziere und rund 200 Unteroffiziere. Trotz der hohen Verluste wurde Kübler am 27. Oktober 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Ab dem 10. Mai 1940 nahm die 1. Gebirgs-Division am Westfeldzug teil. Kübler, der Adolf Hitler verehrte, gab der Operation das Losungswort „Der Führer“. Wieder zeigte Kübler größte Härte gegenüber den eigenen Soldaten. Am 31. Juli 1940 wurde er zum General der Infanterie ernannt.

Ab dem 25. Oktober 1940 war Kübler kommandierender General des XXXXIX. Gebirgs-Armeekorps in Frankreich. Das Korps beteiligte sich ab dem 7. April 1941 am Krieg gegen Jugoslawien und ab dem 22. Juni 1941 am Krieg gegen die Sowjetunion, „Unternehmen Barbarossa“. Küblers Korps nahm am 30. Juni 1941 Lemberg ein. Schon am Vortag hatte Kübler den völkerrechtswidrigen Befehl ausgegeben, „alle erwachsenen zivilen Plünderer auf dem Schlachtfelde […] zu erschießen.“ Am 30. Juni meldete der Kübler unterstehende Kommandeur des Lehrregiments 800, seine Einheit habe „jüdische Plünderer rücksichtslos niedergeschossen.“ In Lemberg kam es zu einem schweren Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Als Kommandant von Lemberg erließ Oberst Karl Wintergerst in Küblers Auftrag den Aufruf: „1) Gewalttätigkeiten und Bedrohungen gegen Angehörige der Deutschen Wehrmacht und ihres Gefolges werden mit dem Tode bestraft. Sind die Täter nicht zu ermitteln, so werden an den festgenommenen Geiseln Repressalien verübt. 2) Wer nicht zu seinem Arbeitsplatz zurückkehrt oder seine Arbeit niederlegt, wird als Saboteur erschossen. 3) […] Personen, die russischen Soldaten und politischen Funktionären Unterschlupf gewähren, werden erschossen. 4) Sämtliche Schußwaffen […] sind […] bei der Miliz abzuliefern. Auf Verstößen steht die Todesstrafe.“

Als am Ende der Schlacht von Uman russische Soldaten 19 verwundete Wehrmachtssoldaten getötet hatten – was ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht war –, schlug Kübler dem Oberbefehlshaber der 17. Armee, Generaloberst von Stülpnagel als Vergeltungsmaßnahmen vor, „Sämtliche […] in unsere Hände gefallenen Kommandierenden Generale, Div. Kommandeure und Stabsoffiziere“ zu erschießen. Von Stülpnagel lehnte Küblers vorgeschlagene völkerrechtswidrige Vergeltungsmaßnahme jedoch ab, weil diese der russischen Propaganda gegen die Wehrmacht in die Hände spiele.

Am 20. Dezember 1941 wurde Ludwig Kübler von Adolf Hitler überraschend zum Oberbefehlshaber der 4. Armee ernannt. Zuvor hatten sowohl Generaloberst von Kleist als auch der Oberbefehlshaber der 17. Armee von Stülpnagel Küblers Eignung zum Führen einer Armee bestätigt. Kübler scheiterte jedoch an der Aufgabe, im Winter 1941/1942 die Front in der Sowjetunion zu halten. Deshalb wurde er bereits am 20. Januar 1942 abgelöst und bis zum 21. Juli 1943 von der Front abgezogen und nach München in die sog. Führerreserve versetzt. Sein Scheitern vor Moskau und die Absetzung habe Kübler laut Kaltenegger als Schmach empfunden und bedeutete „den sichtbaren Wendepunkt, ja den tiefen Fall in seiner bis dato so kometenhaft verlaufenen Soldatenlaufbahn.“ Kübler habe sich in seine Schwabinger Dienstwohnung verkrochen, aber nach einiger Zeit zurück an die Front gedrängt.

Nach intensiven Bemühungen um Wiederverwendung wurde Kübler nach eineinhalb Jahren schließlich als Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets Mitte ernannt. Kaltenegger schreibt, Kübler habe die Chance nutzen wollen, um sich erneut zu bewähren und „die Schmach von Moskau zu tilgen.“ Das habe auch bedeutet, so Kaltenegger, dass „er zu manch unmenschlichen Mitteln griff, um das Partisanenproblem mit brachialer Gewalt zu lösen.“ Er spielt damit auf Küblers Verwendung im sowjetischen Partisanenkrieg im August 1943 an. Mit „drakonischen Maßnahmen gegenüber den Partisanen“ sei es Kübler gelungen, den Partisanenverband „Polk Grischin“ endgültig zu zerschlagen.

Nach dem Waffenstillstand des Königreichs Italien mit den Alliierten vom 8. September 1943 wurde Ludwig Kübler am 10. Oktober 1943 zum Befehlshaber der neu gebildeten „Operationszone Adriatisches Küstenland“ ernannt. Diese wurde aus den Provinzen Friaul, Görz, Triest, Istrien, Fiume, Quarnero und Ljubljana gebildet. Im Einsatzgebiet beanspruchte zwar die SS die Führung in der sog. Bandenbekämpfung, aber alle – Wehrmacht, SD und Polizei – gingen, wie Schönherr schreibt, „mit Repressalien“ gegen die Aufständischen vor, so dass die Brutalität immer weiter eskalierte. Der von General Böhme 1941 für Serbien ausgegebene Befehl der Vergeltung wurde im Laufe der Besatzungszeit auch in allen Gebieten des ehemaligen Jugoslawien angewendet. In seinem Zuständigkeitsbereich vertrat Kübler in der Partisanenbekämpfung laut Schönherr „eine eminent harte Linie, die auf der gleichen Ebene wie diejenige General Böhmes lag und von ihm selber bereits in der Schlacht bei Uman vertreten worden war.“ Von der Brutalisierung des Krieges zeugt Küblers Korpsbefehl Nr. 9 vom 24. Februar 1944. Darin heißt es: Im Kampf gegen die Banden „gibt es nur Eines: Terror gegen Terror, Auge um Auge, Zahn um Zahn!“ . Und weiter: „V/6) Im Kampf ist alles richtig und notwendig, was zum Erfolg führt. Ich werde jede Maßnahme decken, die diesem Grundsatz entspricht.

V/7) […] Gefangene Banditen sind zu erhängen oder zu erschießen. Wer die Banditen durch Gewährung von Unterschlupf oder Verpflegung, durch Verheimlichung ihres Aufenthaltes oder sonst durch irgendwelche Maßnahmen freiwillig unterstützt, ist todeswürdig und zu erledigen.

[…]

V/10) Kollektivmaßnahmen gegen Dörfer usw. dürfen nur im unmittelbaren örtlichen und zeitlichen Zusammenhang mit Kampfhandlungen und nur von Offizieren vom Hauptmann aufwärts verhängt werden. Sie sind am Platz, wenn die Einwohnerschaft in ihrer Masse die Banden freiwillig unterstützt hat. Die Kampfanweisung für die Bandenbekämpfung im Osten gilt in ihren Grundsätzen auch für die Operationszone des Armeekorps. […]“ Der vom General der Gebirgstruppen Ludwig Kübler gezeichnete Befehl wurde an alle Kompanien verteilt. Er endete mit der Aufforderung „Handelt danach!“

Mit diesem Befehl erteilte Kübler den untergebenen Kommandeuren und Soldaten einen Freibrief für die totale Gewalteskalation, die sich auch gegen Frauen und Kinder richtete. Unter Küblers Befehl kam es seit Oktober 1943 bis zur Kapitulation im Mai 1945 laut Schönherr „im Zusammenhang mit der Partisanenbekämpfung zu zahlreichen Übergriffen gegen die einheimische Bevölkerung, wobei auch ganze Dörfer zerstört oder eingeäschert wurden.“

Ende April 1945 wurde der Großteil des Korps bei Rückzugsgefechten von jugoslawischen Truppen eingekesselt. Der kommandierende General Kübler wurde schwer verletzt und gelangte in jugoslawische Kriegsgefangenschaft. Gegen Ludwig Kübler und 13 weitere deutsche Besatzungsoffiziere fand zwischen dem 10. und dem 19. Juli 1947 vor dem Militärgericht in Ljubljana der Prozess statt. Für Kübler endete das Verfahren mit dem Todesurteil durch den Strang. Es wurde nach Ablehnung des Gnadengesuchs am 18. August 1947 vollstreckt.

Personal-Nachweis Ludwig Kübler, Dienstlaufbahn, o.D.
Personal-Nachweis Ludwig Kübler, Dienstlaufbahn, o.D.
BArch, PERS 6/243
Ludwig Kübler, o.D., mit der seit dem Ersten Weltkrieg entstellten linken GesichtshälfteLudwig Kübler, o.D., mit der seit dem Ersten Weltkrieg entstellten linken Gesichtshälfte
Ludwig Kübler, o.D., mit der seit dem Ersten Weltkrieg entstellten linken Gesichtshälfte
BArch, PERS 6/300079
General Ludwig Kübler (nach 1941)
General Ludwig Kübler (nach 1941)
Vor dem Militärgericht in Ljubljana fand zwischen dem 10. und dem 19. Juli 1947 der Prozess gegen 14 deutsche Besatzungsfunktionäre statt, darunter hier (v.r.n.l.) Gauleiter Friedrich Rainer, SS-Sturmbannführer Helmut Glaser, General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler, Generalleutnant Hans von Hößlin, Oberst Heinrich Christl, SS- und Polizeiführer Hans Fleckner (alle hingerichtet).
Vor dem Militärgericht in Ljubljana fand zwischen dem 10. und dem 19. Juli 1947 der Prozess gegen 14 deutsche Besatzungsfunktionäre statt, darunter hier (v.r.n.l.) Gauleiter Friedrich Rainer, SS-Sturmbannführer Helmut Glaser, General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler, Generalleutnant Hans von Hößlin, Oberst Heinrich Christl, SS- und Polizeiführer Hans Fleckner (alle hingerichtet).

Ein Kriegsverbrecher als Namensgeber einer Bundeswehrkaserne, 1964-1995

In der bundesdeutschen Nachkriegszeit wurde Ludwig Kübler zunächst als Begründer und Organisator der Gebirgstruppe verehrt. Die Bundeswehr benannte 1964 die einstige Pionier- und spätere Ludendorff-Kaserne in Mittenwald in General-Kübler-Kaserne. Die Initiative zur Benennung ging damals zurück auf General Gartmayr, der von 1939 bis 1940 im Divisionsstab Küblers war. Nachdem Gartmayr als Bundeswehrgeneral die 1. Gebirgs-Division übernommen hatte, betrachtete er den Wehrmachtsgeneral Ludwig Kübler als geeignetes Vorbild für seine Truppe.

Deutliche Kritik an der Namensgebung regte sich erst ab Mitte der 1990er Jahre. Damals kamen mehrere Faktoren zusammen, die neue Debatten über die Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und über das Traditionsverständnis der Bundeswehr auslösten: Neben den 50. Jahrestagen zum Widerstand von Wehrmachtsoffizieren am 20. Juli 1944 und zum Kriegsende (bedingungslose Kapitulation am 8. Mai 1945) wirkte die im März 1995 eröffnete Ausstellung über den Vernichtungskrieg der Wehrmacht des Hamburger Instituts für Sozialforschung als Katalysator der Debatte. In dem sie die Täterschaft der Wehrmacht an Kriegsverbrechen – Massenmorde an Zivilisten, auch an Jüdinnen und Juden sowie an Angehörige der Sinti und Roma, Vergeltungsmaßnahmen gegen sog. Partisanen etc. – öffentlichkeitswirksam dokumentierte, erschütterte und zerstörte sie den Mythos von der „sauberen Wehrmacht“. Zwar wird Ludwig Kübler in der Ausstellung nicht namentlich genannt, der Fokus lag jedoch auf seinen einstigen Einsatzgebieten, dem Balkan und der Sowjetunion. Küblers Täterschaft innerhalb des Systems Wehrmacht und seine nationalsozialistische Überzeugung wurden inzwischen umfassend historisch nachgewiesen. Zur erinnerungspolitischen Dimension kam Mitte der 1990er Jahre eine damals hochaktuelle politische Dimension: Mit Blick auf anstehende Bundeswehreinsätze im ehemaligen Jugoslawien erreichte die von Bundeswehrkritiker*innen geforderte Diskussion um die Umbenennung der General-Kübler-Kaserne den Bundestag. Das eigens durch das Militärgeschichtliche Forschungsamt über den General der Gebirgstruppe erarbeitete Gutachten ließ keinen Zweifel an Küblers Nähe zur NS-Ideologie und an seiner aktiven Beteiligung an Kriegsverbrechen. Auf der Grundlage des wissenschaftlichen Gutachtens verfügte Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) gegen den Widerstand von CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten und gegen den Protest von Kameradschaftsverbänden im November 1995 die Umbenennung der General-Kübler-Kaserne in Karwendel-Kaserne.

Ludwig Kübler – ein Wehrmachtsgeneral auf der Linie Adolf Hitlers

In seinem Gutachten belegt Klaus Schönherr, dass Ludwig Kübler „der nationalsozialistischen Ideologie sehr nahestand und sich mit ihr identifizierte.“ Kübler unterzeichnete Befehle seit dem Polenfeldzug mit „Heil dem Führer!“ und ähnlichen Formeln, nannte den Marschbefehl gegen Frankreich 1940 „Der Führer“ und arbeitete als Chef des Stabes bei der 7. Division eng mit der NSDAP, SS und SA zusammen. Laut Schönherr stand Kübler „dem nationalsozialistischen Gedankengut aufgeschlossen gegenüber“; er habe insgesamt eine „äußerst positive Einstellung zum Nationalsozialismus und seinen Zielen“ gehabt.

Die eindeutige Bewertung lässt keinen Zweifel daran, dass General Kübler als Vorbild für die Bundeswehr ungeeignet ist. Das Gutachten Schönherrs veranlasste Bundesverteidigungsminister Volker Rühe im November 1995 zur Umbenennung der General-Kübler-Kaserne.

Umgang mit zwei kritischen Namen am Denkmal

Dass im Zuge der Denkmalserweiterung im Jahr 1951 die Namen von zwei Personen auf das Denkmal gelangten, die nachweislich Kriegsverbrechen begingen, war jahrzehntelang kein Thema. Bis vor wenigen Jahren war dies weder den Anwohner*innen Forstenrieds noch den Zuständigen der LH München bekannt. Erst im Vorfeld des vom Bezirksausschuss 19 organisiertens „Werkstatt Dorfkern Forstenried“ (26. Juni 2021) begann der Historische Verein Forstenried e.V. näher hinzusehen und setzte die Diskussion über die Namen der beiden Kriegsverbrecher Josef und Ludwig Kübler in Gang. In der Folge beantragte der Veteranen- und Soldatenverein Forstenried e.V. in Übereinstimmung mit dem Bezirksausschuss 19 zunächst die Streichung – im Sinne einer vollständigen Löschung – der problematischen Namen. Die Stadt München leitete 2023 den Prüfprozess. Städtische Gremien plädierten für den Erhalt des Denkmals bei deutlicher Distanzierung und Kontextualisierung der Namen. Nach intensiver Diskussion einigten sich die Beteiligten schließlich darauf, die Namen auf dem Denkmal zu belassen, sie aber sichtbar durchzustreichen und die Kontexte auf einer Internetseite wissenschaftlich fundiert zu erläutern und einzuordnen.

Damit beschreitet man in München-Forstenried bewusst einen neuen Weg, der das Kriegerdenkmal als zeithistorische Quelle begreift, die es zu bewahren gilt, um sie interpretieren zu können. Der Entscheidung liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Auseinandersetzung mit dem Denkmal als historische Quelle zu spannenden und bereichernden Erkenntnissen führen kann. Während die Namensstreichung die Täter unsichtbar machen und deren endgültiges Vergessen am Ort begünstigen würde, bleiben die Namen nach dem distanzierenden Durchstreichen lesbar, so dass sich auch künftige Generationen mit allen Aspekten des Denkmals, einschließlich der für Kriegsverbrechen Verantwortlichen und des gesellschaftlichen Umgangs mit diesen, auseinandersetzen können.

Beim Kriegerdenkmal hat das Büro stauss processform einen zweiteiligen Eingriff entwickelt. Mit filigranen Balken aus pulverbeschichtetem Stahl sind die Namen Josef und Ludwig Kübler verdeckt – und doch noch lesbar. Ein Pult an der Rasenkante zum Gehsteig informiert Passant*innen zur Geschichte des Denkmals und den Eingriff. Dieses ist bewusst zurückhaltend gestaltet, soll das Denkmal nicht überdecken und kein Gegendenkmal sein. Balken und Pult sind aus dem identischen Werkstoff hergestellt, um Streichung und Erklärung deutlich zu verbinden.

Am 22. Oktober 2026 wurde die Umgestaltung des Denkmals der Öffentlichkeit übergeben.

Literaturauswahl

  • Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943-1945, München/Zürich 1995
  • Dandl, Herbert: Vom Kriegsmonument zum Friedensmahnmal. Ein Kunstprojekt der Initiative Giesing Denk(t)mal in Obergiesing, München 2022
  • Ferhadbegović, Sabina: Recht und Gerechtigkeit? Ahndung von Menschheitsverbrechen in Jugoslawien zwischen Völkerrecht und Partisanenjustiz (1941–1948), Paderborn 2024
  • Ferhadbegović, Sabina: After Nuremberg: The Trial of Alexander Löhr and the Boundaries of Civilian Protection; in: Journal of Genocide Research, 28 Jan 2026, S. 1-22, https://doi.org/10.1080/14623528.2026.2621554, aufgerufen am 20.9.2026
  • Giardano, Ralph: Die Traditionslüge. Vom Kriegerkult in der Bundeswehr, Köln 2000
  • Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023
  • Gribl, Dorle: Forstenried und Fürstenried in den Jahren 1933-1945, Spurensuche im Münchner Süden, München 2007
  • Hamburger Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Ausstellungskatalog, Hamburg 1996
  • Kaltenegger, Roland: Operationszone „Adriatisches Küstenland“. Der Kampf um Triest, Istrien und Fiume 1944/45, Graz/Stuttgart 1993
  • Kaltenegger, Roland: Schörner. Feldmarschall der letzten Stunde, München/Berlin 1994
  • Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998
  • Kaltenegger, Roland: General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Der Bauherr der deutschen Gebirgstruppe und seine Zeit, Würzburg 2011
  • Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. (Hrsg): Die Gebirgstruppe. Mitteilungsblatt des Kameradenkreises der Gebirgstruppe 34 (1985), H. 2
  • Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland (Hrsg.): Für das stolze Edelweiß, München 1996
  • Klein, Ralph / Mentner, Regina / Stracke, Stephan (Hrsg.): Mörder unter Edelweiß, Köln 2004
  • Knab, Jakob: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr, Berlin 1995
  • Knab, Jakob: „Zeitlose soldatische Tugenden“. Umstrittene Kasernennamen, rechtsextreme Vorfälle: Die Bundeswehr tut sich schwer mit der Suche nach identitätsstiftenden Vorbildern. Allzu lange würdigte sie Wehrmachtsgrößen für angebliche Heldentaten; in: Die Zeit. Geschichte, Nr. 5/2025, S. 88-93
  • Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Heimatbuch. II. Band: Geschichtliche Erlebnisse Forstenrieds, München 1936
  • Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Heimatbuch. III. Band: Kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung Forstenrieds, 2. Teil, München 1936
  • Landeshauptstadt München, Kulturreferat (Hrsg.): Bilanz einer Ausstellung. Dokumentation der Kontroverse um die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ in München, Galerie im Rathaus 25.2. bis 6.4.1997, München 1998
  • Loch, Thorsten: Zwischen Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. Kasernennamen in der Bundesrepublik Deutschland; in: VfZ 72 (2024), H.1, S. 1-29
  • Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008
  • Pfister, Peter (Hrsg.): Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Erzbistum München und Freising. Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistum München und Freising, Regensburg 2005, Teil 1 (Dekanat München-Süd)
  • Pohl, Karin: KulturGeschichtsPfad 19: Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln, hrsg. vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München, München 2025
  • Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995 (unveröffentlicht)
  • Spenger, Wolfgang: Der Friedhof zu München-Forstenried. Zulassungsarbeit zur Ersten Prüfung für das Lehramt an Volksschulen 1972/II. Fach: Heimat- und Volkskunde, Pädagogische Hochschule (unveröffentlicht)
  • Stuhlpfarrer, Karl: Die Operationszonen „Alpenvorland“ und „Adriatisches Küstenland“ 1943–1945, Wien 1969
  • Veteranen- und Soldatenverein München-Forstenried (Hrsg.): Jubiläumsschrift zur 150-Jahr-Feier und 100 Jahre Ehrenmal, Juli 2022
  • Wette, Wolfram: Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden, 2. Aufl. Frankfurt a.M. 2002
  • Einzelnachweise

    1
    Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Landeshauptstadt München, Denkmalnummer D-1-62-000-1736, https://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_162000.pdf, aufgerufen am 17.9.2026.
    2
    Ernst Ziegler, Vorsitzender des Historischen Vereins Forstenried e.V. machte diese Entdeckung als er sich auf den Bürgerdialog „Werkstatt Dorfkern Forstenried“, zu dem der Bezirksausschuss 19 für den 26.6.2021 eingeladen hatte, näher mit dem Kriegerdenkmal befasste. Dazu Wolfram, Jürgen: Forstenried Ehrung für zwei Kriegsverbrecher; in: Süddeutsche Zeitung vom 22.4.2022, https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-forstenried-kriegerdenkmal-kriegsverbrecher-1.5570925, aufgerufen am 9.7.2026.
    3
    Antrag Bezirksausschuss 19 vom 5.3.2024, https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/8306312, aufgerufen am 9.7.2026 und o.A.: Warum werden am Kriegerdenkmal zwei Namen gestrichen?; in: Wochenanzeiger vom 12.3.2024, https://www.wochenanzeiger.de/162079, aufgerufen am 9.7.2026.
    4
    Dass bestehende Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkriegs für Gefallene des Zweiten Weltkriegs erweitert wurden, war ein typisches Phänomen der 1950er und 1960er Jahre, siehe Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 9. Ein Beispiel aus der näheren Umgebung Forstenrieds ist das Kriegerdenkmal bei der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Solln.
    5
    In der Literatur wird irrtümlich der 1. Juni 1922 als Einweihungsdatum angegeben. Der Fehler geht zurück auf Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 153 und findet sich beispielsweise hier: Veteranen- und Soldatenverein München-Forstenried (Hrsg.): Jubiläumsschrift zur 150-Jahr-Feier und 100 Jahre Ehrenmal, Juli 2022, S. 19. Dass das bei Kriegelsteiner und folgenden genannte Datum falsch ist, belegt eine historische Zeitungsnotiz vom 10. Juni 1922, die die feierliche Denkmalseinweihung für den nächsten Tag ankündigt: Siehe General-Anzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten vom 10.6.1922.
    6
    Bislang ist unbekannt, wer die Figurengruppe schuf. Die eingesehenen Quellen geben dazu keine Auskunft.
    7
    Siehe Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 56.
    8
    Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 56.
    9
    Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 56.
    10
    Siehe Kapitel Geschichte des Denkmals.
    11
    Siehe Kapitel Geschichte des Denkmals.
    12
    Abstrakte Symbole wie Stahlhelm, Eichenlaub und Schwert finden sich auf zahlreichen Kriegerdenkmälern dieser Zeit, siehe Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 56.
    13
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 18.
    14
    Zu den Lebensdaten siehe Familiengrab Hipper auf dem Forstenrieder Friedhof.
    15
    Siehe Bericht „Trauerfeier für gefallene Oberschlesienkämpfer“; in: Münchner Neueste Nachrichten vom 16.6.1921.
    16
    Zum Freikorps Oberland siehe Bruno Thoß, Freikorps Oberland, 1919-1921, publiziert am 10.09.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Freikorps_Oberland,_1919-1921, aufgerufen am 6.8.2026.
    17
    Siehe http://www.denkmalprojekt.org/2019/vl_freikorps_oberland_1921.html, aufgerufen am 6.8.2026 und abgedruckt in Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland (Hrsg.): Für das stolze Edelweiß, München 1996, S. 94.
    18
    Siehe Bericht „Trauerfeier für gefallene Oberschlesienkämpfer“; in: Münchner Neueste Nachrichten vom 16.6.1921.
    19
    Georg Escherich (1870-1941) war promovierter Forstwissenschaftler und Forstrat. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Landeshauptmann der Einwohnerwehren, einer im Zuge der Unruhen der Münchner Räterepublik im April 1919 gegründeten paramilitärischen Selbstschutzorganisation, die sich zum Sammelbecken der politischen Rechten entwickelte. Escherich fasste die reichsweiten Einwohnerwehren in der Organisation Escherich, abgekürzt Orgesch, zusammen. Zwischen Einwohnerwehren und dem Freikorps Oberland, dem sich Hipper angeschlossen hatte, bestanden sehr enge Beziehungen. Zu Escherich, den Einwohnerwehren und der Orgesch siehe beispielsweise Zuber, Brigitte: Escherich, Georg (publiziert am 05.05.2026), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/escherich-georg-197, aufgerufen am 18.9.2026; Tempel, Florian: Georg Escherich. Wegbereiter des Faschismus; in: Süddeutsche Zeitung vom 19.7.2019, https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/georg-escherich-wegbereiter-des-faschismus-1.4532491, aufgerufen am 6.8.2026; Thoß, Bruno: Einwohnerwehren, 1919-1921, publiziert am 27.07.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Einwohnerwehren,_1919-1921> aufgerufen am 18.9.2026 sowie Hübner, Christoph: Organisation Escherich (Orgesch), 1920/21, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Organisation_Escherich_(Orgesch),_1920/21 aufgerufen am 18.9.2026.
    20
    Siehe Bericht „Trauerfeier für gefallene Oberschlesienkämpfer“; in: Münchner Neueste Nachrichten vom 16.6.1921.
    21
    Kriegelsteiner, Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 154.
    22
    Erstmals hierzu Pohl, Karin: KulturGeschichtsPfad 19: Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln, hrsg. vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München, München 2025, S. 178-179.
    23
    Hinweis nach Auswertung durch Ernst Ziegler, Historischer Verein Forstenried e.V.
    24
    Das genaue Datum war bisher nicht bekannt; lediglich das Jahr ohne Datumsangabe ist genannt in Veteranen- und Soldatenverein München-Forstenried (Hrsg.): Jubiläumsschrift zur 150-Jahr-Feier und 100 Jahre Ehrenmal, Juli 2022, S. 19. Der genaue Termin der Einweihung wird angekündigt in: Süddeutsche Zeitung, Münchner Umschau, 15./16.9.1951.
    25
    Durch Luftangriffe hatte der Zweite Weltkrieg auch das Reichsgebiet, so auch München erfasst; die Kriegspropaganda sprach von der „Heimatfront“, die infolge von Bombardierungen Gestorbenen wurden als Kriegsopfer betrachtet und gelangten insofern folgerichtig auf Kriegerdenkmäler. Nicht nur in Forstenried auch in anderen Orten, wie beispielsweise im benachbarten Solln, wo das bestehende Kriegerdenkmal in den 1950er Jahren ebenfalls um „Kriegsopfer in der Heimat“ und um „Vermisste“ ergänzt wurde.
    26
    Wie oben dargelegt, enthält bereits der Denkmalsteil von 1922 die Namen von drei Kriegsvermissten, dort gekennzeichnet durch ein kleines „v“ vor dem mutmaßlichen Todesdatum.
    27
    Forstenried wurde im Zweiten Weltkrieg mehrmals von Luftangriffen schwer getroffen. Ein eindrucksvolles Dokument, wie die Forstenrieder*innen diese lebensbedrohliche Situation wahrnahmen und wie sie damit umgingen, sind die im sog. Verkündbuch niedergelegten Berichte von Stadtpfarrer Winsauer, der selbst wiederholt seine pure Todesangst schildert, siehe Archiv des Erzbistums München und Freising, Signatur: CB251, 31.
    28
    Es würde an dieser Stelle zu weit führen, zur Auswahl der Namen und zu deren Kategorisierung kritisch Stellung zu nehmen. Es fällt auf, dass Personen, die in Forstenried starben, aber nicht von dort stammten, auf der Denkmalserweiterung von 1951 nicht genannt sind. Beispielsweise erwähnt Pfarrer Winsauer in seinem Bericht vom 25. Juli 1945, dass beim Gefecht im Zuge des Einmarsches der Amerikaner am 30. April 1945 in Forstenried zwei deutsche Personen getötet wurden: Während der Name des „18jährige[n] Flaksoldat[en], Willy Wendelgass aus Freiburg i.Br.“ auf dem erweiterten Kriegerdenkmal fehlt, wird der Forstenrieder Tagelöhner Stockbauer in der Kategorie Luftkriegsopfer (!) erwähnt. Siehe Einmarschbericht Pfarrei München-Hl. Kreuz/Forstenried; in: Pfister, Peter (Hrsg.): Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising. Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistums München und Freising, Regensburg 2005, Teil 1, S 300-302, hier S. 302. Wenn ein Freiburger nicht auf dem Denkmal steht, dann scheint es konsequent, dass auch der Ukrainer Stepan Peliptschuk, Zwangsarbeiter beim Sägewerk Lutz & Söhne, der beim Luftangriff vom 7. September 1943 ums Leben kam, nicht genannt ist. In der Liste von 1951 fehlt auch der Name des jungen Forstenrieders Rudolf Moebs: Als Zeuge Jehovas verweigerte er aus religiösen Gründen den Dienst an der Waffe. Er wurde von einem Kriegsgericht zum Tod verurteilt und von einem Vollstreckungskommando der Wehrmacht am 11. August 1942 erschossen. Aus religiösen Gründen wäre seine Namensnennung auf einem Kriegerdenkmal allerdings auch unpassend. Zu Peliptschuk und Moebs siehe Pohl, Karin: KulturGeschichtsPfad 19: Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln, hrsg. vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München, München 2025, S. 186 und 204.
    29
    Vgl. Gribl, Dorle: Forstenried und Fürstenried in den Jahren 1933-1945, Spurensuche im Münchner Süden, München 2007, S. 11.
    30
    Aufgrund fehlender Unterlagen ist die Darstellung zur Geschichte der beteiligten Vereine und des Kriegerdenkmals auf die Überlieferung nach Kriegelsteiner angewiesen. Diese weist allerdings einige Ungenauigkeiten auf, die in die spätere Literatur einflossen. Sie werden in diesem Text nach Möglichkeit korrigiert. Zu den örtlichen Veteranenvereinen und zum Kriegerdenkmal siehe: Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, III. Band, 2. Teil, S. 670-675 und Kriegelsteiner, Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 149-154.
    31
    Laut der im Historischen Verein Forstenried e.V. vorliegenden Statuten wurde der „Krieger- und Veteranen-Verein Forstenried“ am 16. Juni 1873 gegründet. Irrtümlich nennt Kriegelsteiner den 12. Juli 1872 als Gründungsdatum des „Veteranen- und Kriegerverein Forstenried“, siehe Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, III. Band, 2. Teil, S. 626. Das falsche Gründungsdatum übernahm der Veteranen- und Soldatenverein und richtete danach im Jahr 2022 die Jubiläumsfeier aus, feierte also ein Jahr zu früh. Außerdem behauptet die Chronik, der Verein sei unter dem Namen „Veteranen- und Soldatenverein Forstenried aus dem Zusammenschluss der Veteranen aus den Gemeinden Forstenried, Solln, Neuried und Pullach“ entstanden. Siehe Veteranen- und Soldatenverein München-Forstenried (Hrsg.): Jubiläumsschrift zur 150-Jahr-Feier und 100 Jahre Ehrenmal, Juli 2022, S. 18. In den Statuten von 1873 fehlt allerdings jeglicher Hinweis auf eine derartige Vorgeschichte.
    32
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, III. Band, 2. Teil, S. 670.
    33
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, III. Band, 2. Teil, S. 671.
    34
    Die Ausführungen zum Kriegerdenkmal im Folgenden soweit nicht anders angegeben nach Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 149-154.
    35
    Pfarrer Winsauer sammelte innerhalb seiner Pfarrgemeinde Spenden, um „alle gefallenen Helden der ganzen Pfarrgemeinde“ auf einem „Glasgemälde“ und einer Gedenktafel innerhalb der Kirche zu würdigen. Siehe Archiv der Erzdiözese München und Freising, CB251, 83: Aufruf vom 4.10.1920 und Spendenlisten. Das Glasfenster wurde 1923 eingesetzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört, siehe Spenger, Wolfgang: Der Friedhof zu München-Forstenried, Zulassungsarbeit 1972, S. 248-249.
    36
    Stadtarchiv München, DE-1992-BUR-0552: Schreiben des Vereins „Die Heimgekehrten“ vom 5. Oktober 1920 an den Stadtrat der Landeshauptstadt München.
    37
    Stadtarchiv München, DE-1992-BUR-0552: Stadtrat der Hauptstadt München, 6. Dezember 1920 an Verein „Die Heimgekehrten Forstenried“. Der Akt enthält keine Pläne oder Modellentwürfe des Kriegerdenkmals Forstenrieds. Nach Auskunft des Stadtarchivs München liegen dort keine weiteren Unterlagen zum Kriegerdenkmal Forstenried vor. Das Baureferat, Abteilung Gartenbau verwahrt Unterlagen zum Kriegerdenkmal Forstenried ab dem Jahr 2010. Ob in der Lokalbaukommission entsprechende Unterlagen vorhanden sind, ließ sich bislang nicht ermitteln.
    38
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 152-153: Demnach suchten die Spendensammler sogar Generalfeldmarschall Ludendorff in seinem Wohnort Ludwigshöhe auf, der 50 Mark gegeben und dem Forstenrieder Vorhaben Glück gewünscht habe.
    39
    Zu Schmid siehe Schalm, Sabine: Schmid, Eduard (publiziert am 11.09.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/schmid-eduard-745, aufgerufen am 6.7.2026.
    40
    Zur Feier siehe Ankündigung im General-Anzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten vom 10.6.1922 und Kurzbericht in der Ausgabe vom 13.6.1920 sowie – allerdings unter Nennung des falschen Datums – Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 153-154.
    41
    Am 19. Februar 1930 wird berichtet, ein „Propagandamarsch der Bayernwacht“ habe am Forstenrieder Kriegerdenkmal der „gefallenen Helden von Forstenried“ gedacht. Vgl. General-Anzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten vom 19.2.1930.
    42
    Das Kriegerdenkmal Forstenried wird in der einschlägigen Studie von Gribl, Dorle: Forstenried und Fürstenried in den Jahren 1933 – 1945. Spurensuche im Münchner Süden, München 2007 nicht erwähnt.
    43
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, II. Band, S. 154.
    44
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Heimatbuch. III. Band, 2. Teil, S. 674.
    45
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Heimatbuch. III. Band, 2. Teil, S. 674.
    46
    Braun, Rainer/Saube, Lothar: Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landeskriegerverbände/Kyffhäuserbund e.V., publiziert am 23.1.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kyffhäuser-Bund_der_Deutschen_Landeskriegerverbände/Kyffhäuserbund_e.V., aufgerufen am 19.9.2026.
    47
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Heimatbuch. III. Band, 2. Teil, S. 634-635.
    48
    Kriegelsteiner Franz Xaver: Forstenried in Vergangenheit und Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Heimatbuch. III. Band, 2. Teil, S. 675.
    49
    Hierzu siehe siehe Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 66.
    50
    Süddeutsche Zeitung vom 15./16.9.1951.
    51
    Siehe Verkündbuch im Archiv des Erzbistums München und Freising, Signatur: CB251, 32.
    52
    Während der Besatzungszeit war alles Militärische verboten. Kriegervereine wurden erst nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 und im Zuge der Wiederbewaffnung in den 1950ern (wieder-)gegründet; gleichzeitig entstanden neue oder erweiterte Kriegerdenkmäler. Siehe Göttler, Norbert / Tworek, Elisabeth: Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023, S. 71-72.
    53
    Veteranen- und Soldatenverein München-Forstenried (Hrsg.): Jubiläumsschrift zur 150-Jahr-Feier und 100 Jahre Ehrenmal, Juli 2022, S. 19.
    54
    „Unser Denkmal: Geschändet!“; in: Hallo München vom 25.7.2012, https://www.hallo-muenchen.de/muenchen/sued/kriegerdenkmal-forstenried-unbekannte-enthaupten-steinstatue-2430539.html, aufgerufen am 9.7.2026. Bei seiner Berufung zum Zweiten Bürgermeister berichtete Dominik Krause von einem Vorfall aus etwa dieser Zeit. Als Zivildienstleistender habe er beobachtet, „wie offen sich Neonazis an einem nahen Kriegerdenkmal in Forstenried zeigten“. Diese Erfahrung sei ein unmittelbarer Auslöser für sein politisches Engagement gewesen. Siehe Effern, Heiner: Ein Physiker als Bürgermeister; in: Süddeutsche Zeitung vom 23.10.2023.
    55
    o.A.: Warum werden am Kriegerdenkmal zwei Namen gestrichen?; in: Wochenanzeiger vom 12.3.2024, https://www.wochenanzeiger.de/162079, aufgerufen am 9.7.2026.
    56
    Wagner, Georg: Häusergeschichte von Forstenried 2013, unveröffentlichtes Manuskript beim Historischen Verein Forstenried e.V.
    57
    Siehe Klebe, Reinhold: General Ludwig Klüber; in: Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. (Hrsg.): Die Gebirgstruppe. Mitteilungsblatt des Kameradenkreises der Gebirgstruppe 34 (1985), H. 2, S. 8-12, hier S. 11-12.
    58
    Siehe Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. (Hrsg.): Die Gebirgstruppe. Mitteilungsblatt des Kameradenkreises der Gebirgstruppe 34 (1985), H. 2, S. 46-47. Demnach kümmerte sich der Kameradenkreis außerdem um die Gräber von Generaloberst Eduard Dietl, und die der Generäle der Gebirgstruppe Rudolf Konrad und Hubert Lanz – auch sie haben schwere Kriegsverbrechen begangen. Siehe Knab, Jakob: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr, Berlin 1995, S. 85-93.
    59
    Siehe Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. (Hrsg.): Die Gebirgstruppe. Mitteilungsblatt des Kameradenkreises der Gebirgstruppe 34 (1985), H. 2, S. 47.
    60
    Zur Diskussion über den Fall Jodl im Bayerischen Landtag siehe Lohmann, David: Diskussion über Jodl-Grab auf der Chiemseer Fraueninsel. Gedenkstein für NS-Kriegsverbrecher: SPD-Gesetzentwurf zur Änderung des Bestattungsgesetzes, 7.7.2020, https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/aus-dem-plenum/gedenkstein-fuer-ns-kriegsverbrecher-spd-gesetzentwurf-zur-aenderung-des-bestattungsgesetzes/, aufgerufen am 20.9.2026.
    61
    Siehe Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 113-128 und S. 667; Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, bes. S. 17-19
    62
    Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 667.
    63
    Die militärischen Stationen übernommen aus https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Personenregister/K/KueblerJosef.htm, abgerufen am 20.9.2026 und Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 302.
    64
    Laut Kaltenegger hatten die Amerikaner Josef Kübler an Jugoslawien ausgeliefert. Siehe Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 302.
    65
    Zit. nach Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 17.
    66
    Sog. „Sühnebefehl“, zit. nach Hamburger Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Ausstellungskatalog, Hamburg 1996, S. 38. Zum Terror in Serbien unter Wehrmachtsbesatzung finden sich dort etliche Beispiele für die Umsetzung des Befehls in Serbien im Jahr 1941, wie massenhafte Internierung von Zivilist*innen, Geiselerschießungen und öffentliche Erhängungen.
    67
    Wette, Wolfram: Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden, 2. Aufl. Frankfurt a.M. 2002, S. 108.
    68
    Zum völkerrechtswidrigen Vorgehen, mit dem die deutsche Besatzungsmacht seit Sommer 1941 in Serbien gegen die von Josip Broz Tito befehligten Partisanen vorgingen und zum Unternehmen „Schwarz“ siehe Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 113-128.
    69
    Ferhadbegović, Sabina: After Nuremberg: The Trial of Alexander Löhr and the Boundaries of Civilian Protection; in: Journal of Genocide Research, 28 Jan 2026, S. 9. Der Prozess gegen Josef Kübler ist – soweit ermittelt werden konnte – bisher noch nicht umfassend aufgearbeitet. Sabina Ferhadbegović stellte 2024 fest, es gebe bisher „keine Monografie, die einen genauen und detaillierten Überblick über alle im sozialistischen Jugoslawien organisierten Kriegsverbrecherprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg bietet“, siehe Ferhadbegović, Sabina: Recht und Gerechtigkeit? Ahndung von Menschheitsverbrechen in Jugoslawien zwischen Völkerrecht und Partisanenjustiz (1941–1948), Paderborn 2024, S. 4-5.
    70
    Zit. nach Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 667.
    71
    Über den Ort der Vollstreckung gibt es unterschiedliche Angaben.
    72
    Ferhadbegović, Sabina: After Nuremberg: The Trial of Alexander Löhr and the Boundaries of Civilian Protection; in: Journal of Genocide Research, 28 Jan 2026.
    73
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 302.
    74
    Hierzu Wette, Wolfram: Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden, 2. Aufl. Frankfurt a.M. 2002.
    75
    Im Folgenden eng angelehnt an Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995. Diese Studie bildet auch die wesentliche Grundlage des Wikipedia-Artikels und des Eintrags bei Lexikon der Wehrmacht, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_K%C3%BCbler und https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Personenregister/K/KueblerLudwig.htm, beide aufgerufen am 20.9.2026.
    76
    Kaltenegger erwähnt ausdrücklich, dass Kübler am Sedantag geboren wurde, dem Tag des Sieges der kaiserlichen Armee im Deutsch-Französischen Krieg bei Sedan, am 2. September 1870. Damit impliziert Kaltenegger eine Art Vorsehung Küblers fürs Militärische. Siehe Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 13.
    77
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 2.
    78
    Siehe hierzu Bischel, Matthias Bischel: Räterepublik Baiern (1919), publiziert am 22.03.2019, in: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Räterepublik_Baiern_(1919), aufgerufen am 20.9.2026.
    79
    Siehe hierzu Bischel, Matthias Bischel: Räterepublik Baiern (1919), publiziert am 22.03.2019, in: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Räterepublik_Baiern_(1919), aufgerufen am 20.9.2026.
    80
    Zit nach Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 5. Die Beurteilung vom 24.8.1919 ist vollständig abgedruckt in Kaltenegger, Roland: General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Der Bauherr der deutschen Gebirgstruppe und seine Zeit, Würzburg 2011, S. 27-29.
    81
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 6.
    82
    Zu den Details des Aufbaus und des Einsatzes in Österreich siehe Kaltenegger, Roland: General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Der Bauherr der deutschen Gebirgstruppe und seine Zeit, Würzburg 2011, S. 30-81, dort auch zahlreiche Dokumente und Fotos.
    83
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 1. Die Verehrung für Kübler spiegelt sich auch in den Veröffentlichungen Kalteneggers, der Küblers Werdegang detailreich anhand zahlreicher Dokumente und Fotografien beschreibt.
    84
    Kaltenegger, Roland: General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Der Bauherr der deutschen Gebirgstruppe und seine Zeit, Würzburg 2011, S. 82.
    85
    Kaltenegger, Roland: General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Der Bauherr der deutschen Gebirgstruppe und seine Zeit, Würzburg 2011, S. 83-84.
    86
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 8.
    87
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 9.
    88
    Zit. nach Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 60.
    89
    Zit. nach Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 60.
    90
    Vollständiger Aufruf abgedruckt in: Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 168-169. Interpretation nach https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_K%C3%BCbler#Kontroverse_in_der_Bundesrepublik, aufgerufen am 17.9.2026.
    91
    Zit. nach Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 12.
    92
    Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 68.
    93
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 14.
    94
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 273.
    95
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S73-279.
    96
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 278.
    97
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 279.
    98
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 16.
    99
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 17.
    100
    Der Ausstellungskatalog Verbrechen der Wehrmacht dokumentiert die Umsetzung der von Böhme für Serbien angeordneten „Strafaktionen“, S. 38-61.
    101
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 17.
    102
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 18.
    103
    Korpsbefehl Nr. 9 zit. nach Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, 283-284.
    104
    Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943-1945, München/Zürich 1995, S. 156-157.
    105
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 19.
    106
    Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin 2008, S. 668.
    107
    Kaltenegger, Roland: Ludwig Kübler, General der Gebirgstruppe, Stuttgart 1998, S. 307-308.
    108
    Hierzu im Überblick Knab, Jakob: „Zeitlose soldatische Tugenden“. Umstrittene Kasernennamen, rechtsextreme Vorfälle: Die Bundeswehr tut sich schwer mit der Suche nach identitätsstiftenden Vorbildern. Allzu lange würdigte sie Wehrmachtsgrößen für angebliche Heldentaten; in: Die Zeit. Geschichte, Nr. 5/2025, S. 88-93.
    109
    Hamburger Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Ausstellungskatalog, Hamburg 1996 und Landeshauptstadt München, Kulturreferat (Hrsg.): Bilanz einer Ausstellung. Dokumentation der Kontroverse um die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ in München, Galerie im Rathaus 25.2. bis 6.4.1997, München 1998.
    110
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995.
    111
    In der Sitzung vom 12. Oktober 1995 fand im Bundestag eine breite Debatte über den Antrag von Abgeordneten der SPD zur Umbenennung der Generaloberst-Dietl-Kaserne in Füssen und zur General-Kübler-Kaserne in Mittenwald statt. Siehe Sitzungsprotokoll. Der SPD-Antrag vom 2. Juni 1995 stützte sich ausdrücklich auf das Bemühen einzelner Bürger*innen und Vereinigungen wie Pax Christi, die seit Jahren darüber aufklärten, dass es sich bei den Wehrmachtsoffizieren um „führende Militärrepräsentanten des nationalsozialistischen Terrorregimes“ handele. Siehe auch entsprechende Pressemitteilungen von Pax Christi vom 22.4., 13.7. und 2.8.1995.
    112
    Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995.
    113
    Im Folgenden nach Schönherr, Klaus: Wissenschaftliche Studie General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 1995, S. 20.
    114
    Forstenried ist kein Einzelfall, wie eine ähnlich gelagerte Problematik in Geroldshausen bei Würzburg zeigt, wo man ebenfalls nach Jahrzehnten der Unkenntnis 2021 den Namen eines NS-Täters am örtlichen Kriegerdenkmal entdeckte. Es ist anzunehmen, dass es eine hohe Dunkelziffer problematischer Namen auf etlichen Kriegerdenkmälern in Deutschland gibt. Zu Geroldshausen siehe Staffen-Quandt, Daniel: In Stein gehauene Probleme. Was tun, wenn auf Kriegerdenkmälern Namen von NS-Tätern stehen?; in: Sonntagsblatt, 13. März 2021, https://www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/epd-stein-gehauene-probleme-was-tun-wenn-auf-kriegerdenkmaelern-namen-von-ns-taetern, aufgerufen am 17.9.2026.
    115
    Link zum Antrag Bezirksausschuss 19 vom 5.3.2024, https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/8306312 sowie Antwortschreiben des Kulturreferats vom 13.6.2026, https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/19955075.
    116
    Einen erklärenden und kontextualisierenden Umgang mit problematischen Denkmälern empfiehlt auch der Historiker Jens-Christian Wagner im Deutschlandfunk, Sendung vom 16.9.2020: Umstrittene Erinnerungsorte „Denkmäler erklären statt stürzen“. Der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Jens-Christian Wagner im Gespräch mit Michael Köhler, https://www.deutschlandfunk.de/umstrittene-erinnerungsorte-denkmaeler-erklaeren-statt-100.html, aufgerufen am 17.9.2026.